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Eine schöne Zumutung: Ehrenamtlich ein Sozialkaufhaus führen? Der Leuchtende Stern schafft das Unmögliche

Eine schöne Zumutung
Ehrenamtlich ein Sozialkaufhaus führen? Der Leuchtende Stern schafft das Unmögliche
Anja Kernig
21. Februar 2017

Der Vorsitzende Walter Meyer baut auf Teamwork.     Foto: Anja Kernig
Der Vorsitzende Walter Meyer baut auf Teamwork. Foto: Anja Kernig

Ein Sessel für 15 Euro, die Schrankwand aus Vollholz für 70 und eine komplette Küche mit Markengeräten für schlappe 400 Euro – wo kriegt man das denn? In Limbach. In einem besonderen Kaufhaus, das auch genauso heißt. Betrieben wird es vom Leuchtender Stern Was dermaßen ungewöhnlich ist, dass sich Vorsitzender Walter Meyer manchmal noch selber wundert. „Ich glaube, das gibt es sonst nirgendwo: Einen Verein als Träger eines Sozialkaufhauses.“ Angefangen hat alles 2010. Der diplomierte Verwaltungswirt, damals noch Chef einer Tochtergesellschaft der Uniklinik mit 500 Mitarbeitern, initiierte zusammen mit Kollegen eine weihnachtliche Spendenaktion. Das lief so gut, dass 2012 eine noch größere Idee Form annahm: „Warum nicht mit dem Überfluss der Wohlhabenden die Bedürftigkeit der Anderen ausgleichen?“, so Meyer. Bedarf gibt es auch im Saar-Pfalz-Kreis zur Genüge: 17,1 Prozent der Menschen im Saar-Pfalz-Kreis leben von einem Einkommen unterhalb der Grundsicherung.

 

Eine Immobilie in Kirkel-Limbach gefunden

Als erstes musste eine Immobilie her: „In Homburg selbst ist so etwas unbezahlbar.“ Fündig wurde man in Kirkel-Limbach, wo der einstige Netto- und Getränkemarkt leer stand. Zum 1. November 2013 mietete man das 400 Quadratmeter große Gebäude an, innerhalb von vier Wochen war es mit Unterstützung des Kaufhofs Neunkirchen eingerichtet. „Wir haben ziemlich blauäugig angefangen“, meint Meyer rückblickend. „Welcher kleine Verein mutet sich das zu?“ Anders als Diakonie oder Lebenshilfe erhält man keine staatlichen Zuschüsse. Dabei fallen allein 1000 Euro pro Monat für Miete und Nebenkosten an. Seit letztem Jahr sogar noch einmal 800 Euro zusätzlich für die alte Feuerwache in Neunkirchen, die als Lager und zweimal wöchentlich auch dem Abverkauf dient.

 

Dazu kommt die personelle Verantwortung: 25 Leute wirken aktiv mit, viele davon ehrenamtlich, einige geringfügig beschäftigt oder in Teilzeit.Wie Bianca Rau. Früher leitete die gelernte Metzgereiverkäuferin und Mechatronikerin das Sozialkaufhaus Waldmohr, jetzt das in Limbach. „Die Entscheidung dafür war die beste meines Lebens“, sagt sie. „Ich möchte nichts anderes mehr machen.“ Ihre Mutter Michaela gehört mit zum Team, sie sichtet vor allem die Kleiderspenden, wäscht und bügelt.

 

Ein funktionierender Wirtschaftsbetrieb

Dankbar ist das Team für die große Spendenbereitschaft der Bevölkerung, die sogar einen zweiten Transporter erforderlich machte. Um zuverlässig und flexibel Sachspenden abholen zu können, stellte man 2016 vier Langzeitarbeitslose für den Fahrdienst ein. Mit dem vom Sparverein überlassenen Kleinbus werden ab Februar Kunden der Homburger Tafel einmal wöchentlich nach Limbach zum Shoppen gefahren und, im Gegenzug, die Kunden des Kaufhauses zur Homburger Tafel.

 

„Der Umsatz hat sich seit 2014 verdoppelt“, bilanziert Meyer. „Nebenbei haben wir uns zum größten Recyclingbetrieb im Raum Homburg entwickelt“– und einem der caritativsten obendrein: Was an Überschüssen anfällt, spendet Der Leuchtende Stern. Tausende Euro gingen schon an die Elterninitiative krebskranker Kinder und den Blieskasteler Schutzengelverein. Aber auch in Einzelfällen wird geholfen: Wie jener schwerkranken Frau, die in ihrer kalten Wohnung saß und eine Wagenladung Briketts erhielt.Und wenn die St. Wendeler Tafel anruft - „Hilfe, wir haben keine Kartoffeln“ - organisiert man mal eben schnell 500 Kilo.Wie das alles funktioniert? „Man braucht Menschen mit Herzblut und Sozialkompetenz“, betont Meyer. Und die hat er zum Glück.

 

Zum Thema:

 

Auf einen Blick Das Besondere Kaufhaus in der Hauptstraße 60 in Limbach hat montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, samstags bis 14 Uhr. Telefon: (0 68 41) 9 73 50 10.




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