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Kreis-Chorverband droht das Aus

Losheim
Kreis-Chorverband droht das Aus
Christian Beckinger
10. März 2017

Der komplette Vorstand wird auf der Mitglieder- versammlung nicht mehr antreten. Das Problem: Keiner ist bereit, die Aufgaben zu übernehmen.
Nachwuchs (hier der Jugendchor Dudweiler) fehlt bei vielen Chören im Grünen Kreis. Foto: Iris Maurer
Nachwuchs (hier der Jugendchor Dudweiler) fehlt bei vielen Chören im Grünen Kreis. Foto: Iris Maurer

Franz Meiers versucht gar nicht erst, aus seinen Sorgen einen Hehl zu machen: „Zurzeit bin ich ratlos und weiß nicht, wie es weitergehen soll.“ Am Sonntag wird der 72-jährige Losheimer auf der ordentlichen Mitgliederversammlung des Kreis-Chorverbandes in Hausbach von seinem Amt als Vorsitzender des Verbandes zurücktreten. So hatte er es vor zwei Jahren in Krettnich bei seiner letzten Wiederwahl in dieses Amt angekündigt, und so wird er es jetzt auch umsetzen. Mit ihm zusammen werden sich auch seine langjährigen Mitstreiter aus dem Kreisvorstand, die bereits seit 1991 die Spitze des Chorverbandes im Kreis bilden, zurückziehen: Neben seinem Stellvertreter Manfred Comteße aus Perl stellen auch Schatzmeister Winfried Schiltz aus Orscholz und Werner Brücker aus Wadrill als Beisitzer ihre Ämter zur Verfügung. Und auch die übrigen Mitglieder im Vorstand werden ausscheiden. „Der Vorstand wird in Gänze nicht mehr antreten“, betont Franz Meiers.

Das Problem ist: Bislang hat sich niemand gefunden, der bereit wäre, ihre Aufgaben zu übernehmen. Dabei habe er es an Initiativen nicht mangeln lassen, sagt Franz Meiers unserer Zeitung: Es habe zahlreiche Einzelgespräche, Sitzungen, Rundschreiben und auch Rücksprachen mit dem Saarländischen Chorverband, dessen Kreisgliederung Meiers bisher leitete, gegeben. Doch alle Versuche, potenzielle Nachfolger zu finden, seien vergeblich gewesen: „Die Leute, die ich angesprochen habe, stehen aus Gründen, die ich akzeptieren muss, nicht zur Verfügung.“ Er sieht das als ein generelles Problem unserer Zeit, das nun seinen Verband mit voller Wucht erwische: „Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, nimmt ab. Das hat auch damit zu tun, dass die beruflichen wie familiären Verpflichtungen immer stärker werden.“

Dazu komme der demografische Wandel, der gerade im Bereich der Chöre und Gesangvereine tiefe Spuren hinterlasse: „Es gibt sicherlich eine Überalterung innerhalb der jeweiligen Vereine, wobei davon insbesondere die Männerchöre stark betroffen sind.“ Zwar gebe es in innerhalb des Kreisverbandes auch Chöre mit günstiger Altersstruktur. „Dort habe ich aber niemanden gefunden, den ich für die Aufgaben an der Spitze des Verbandes hätte begeistern können.“

Dabei sei, betont Meiers, die Arbeit als Vorstand des Kreis-Chorverbandes nicht so anspruchsvoll: „Es geht in erster Linie um Repräsentation des Landesverbandes, um die Ehrung von Mitgliedern und darum, den Kontakt der einzelnen Vereine zum Landesverband aufrecht zu erhalten.“ Was geschehen sollte, wenn sich bei der Versammlung am Sonntag tatsächlich niemand findet, der den Vorstand besetzen will, umreißt Meiers so: „Der bisherige Vorstand bleibt kommissarisch im Amt, muss sich aber sehr zügig darum bemühen, dass eventuell doch ein neuer Vorstand gewählt werden kann.“

Sollten auch diese Bemühungen scheitern, sei die Auflösung des Kreis-Chorverbandes der letzte verbleibende Schritt. „Die Chöre, die zu unserem Kreisverband gehören, müssten sich entweder den benachbarten Kreisverbänden St. Wendel oder Saarlouis anschließen, sofern dies satzungsmäßig bei ihnen machbar ist.“ Denkbar sei auch eine direkte Betreuung der einzelnen Vereine durch den Landesverband. Beide Varianten sind für Meiers nicht allzu wünschenswert: „Bei einem Wegfall des Kreis-Chorverbandes würde die Bindung des Landesverbandes zu den einzelnen Vereinen fehlen.“

Doch ob es tatsächlich gelingt, den Verband, in den er nach eigenem Bekunden „sehr viel Herzblut“ hineingesteckt hat, zu retten, ist völlig offen. Noch im November vergangenen Jahres hatte Meiers die Chöre und Vereine zu einem Zukunftstreffen nach Losheim geladen, um über das Schicksal des Verbandes zu reden. Nur zehn Chöre, etwa eine Drittel der dem Kreisverband angehörenden Vereine, nahmen daran teil. „Ein schlechtes Zeichen“, wie Meiers einräumt. Seine letzte Hoffnung ist, dass sich auf der Versammlung am Sonntag doch noch jemand findet, der den Verband in die Zukunft führt. „Ich bin zu jeder Form von Unterstüzung bereit“, betont Meiers. Doch es klingt schon ein wenig resigniert, wenn er sagt: „Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich eines Tages mal die Tür hier zuschließen müsste.“

 

Zum Thema:

 

Zahl der Chöre ging deutlich zurück 29 Chöre aus insgesamt 28 Vereinen gehören dem Kreis-Chorverband Merzig-Wadern nach Auskunft seines Vorsitzenden Franz Meiers derzeit an. Das ist gegenüber seiner letzten Wiederwahl vor zwei Jahren ein demografisch bedingter Rückgang um acht Chöre. Der Kreis-Chorverband besteht seit 1952, sein jetziger und scheidender Vorsitzender Franz Meiers steht schon seit 1991 an dessen Spitze.






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