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Schwenken als Erfolgsrezept

Brotdorf
Schwenken als Erfolgsrezept
Roland Schmidt
5. April 2017

Außenseiter grillt Spitzen- team: Die Saarlandliga- Handballer des TuS Brot- dorf spielten am Samstag die HSG Saarbrücken mit 30:17 gegen die Wand – nach einer ganz speziellen Vorbereitung.
Routinier Ralf Kreibig zieht ab. Mit einem Doppelschlag brachte der Brotdorfer seine Mannschaft gegen den großen Favoriten Saarbrücken mit 9:2 in Führung. Die Fans waren sich einig: So spielt kein Absteiger. Foto: Klos
Routinier Ralf Kreibig zieht ab. Mit einem Doppelschlag brachte der Brotdorfer seine Mannschaft gegen den großen Favoriten Saarbrücken mit 9:2 in Führung. Die Fans waren sich einig: So spielt kein Absteiger. Foto: Klos

Was war das denn gerade? Verdutzt und ungläubig starrten die Wombats-Fans am Samstag auf die Anzeigetafel. Aber die Zahlen stimmten und ließen keinen Zweifel zu. Der TuS Brotdorf hatte die HSG Saarbrücken mit 30:17 (18:5) aus der Seffersbachhalle gehämmert und im Kampf um den Klassenverbleib einen Knaller gelandet.

Rund 200 Zuschauer jubelten und feierten ihr Team, aber man sah auch viele verdutzte Mienen. Wie konnte der Abstiegskandidat dem Spitzenteam derart Dampf unter dem Hintern machen? Eine echte Erklärung gab es nicht, eine Theorie schon. „Es muss am Grillabend gelegen haben. Pardon – wir haben natürlich geschwenkt, wie sich das gehört“, verriet Thomas Schmitt Details der geheimen Vorbereitung.

Nach dem enttäuschenden 27:27-Heimremis gegen den Abstiegsrivalen HSG Dudweiler-Fischbach hatte der TuS-Trainer unter der Woche viele Gespräche geführt. Dabei wurden Probleme geklärt und der Teamgeist neu beschworen. Den letzten Kick gab es am Freitagabend am Feuer. Gebannt schauten die Brotdorfer Schwenker den Schwenkern beim Schwenken zu. Einen Tag später wirbelten sie den Liga-Dritten schwindlig. Nach einem Doppelschlag von Ralf Kreibig führte der Außenseiter in der 12. Minute bereits mit 9:2.

Im Angriff funktionierte alles, Torwart Dominik Thome hielt überragend, und Wolf Wagner rührte in der Defensive Beton an. „Der Junge hat keinen einzigen Zweikampf verloren. Eine Mauer in der Abwehr“, schwärmte Chris Leinen vom Studenten aus Aachen, der den Kumpels beim Wochenendurlaub zur Seite stand. Anders als in der Vorwoche hielt der TuS seinen Vorsprung und baute ihn bis zur Pause (18:5) sogar aus. „Diesmal kämpfte jeder für jeden“, fand Leinen.

Nach dem Seitenwechsel kassierten die Gastgeber fünf Tore in Folge, doch der Durchhänger dauerte nicht lange. In der Auszeit (35.) korrigierte Schmitt die Fehler und stellte um. Matthias Böhm baute nun das Spiel auf. Nach zwei Toren von Timm Reinert und einem Rückraum-Kracher von Lucian Scheid stand es 21:11 (39.). Der TuS war wieder auf Kurs.

HSG-Trainer Andreas Birk war fassungslos: „Über das gesamte Spiel mangelte es uns an Einstellung, Kampfeswillen und Leidenschaft. Mir kommt es so vor, als hätten meine Jungs die Saison schon abgehakt und als seien sie zufrieden mit dem, was sie bisher erreicht haben.“ Nach starker Hinrunde gab sein Team zuletzt öfter überraschend Punkte ab.

Bei den Wombats waren die Einstellung und nach dem Spiel auch die Stimmung bestens. „Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben und absoluten Siegeswillen gezeigt. Besser hätte es nicht laufen können“, sagte Scheid, der in der 53. Minute auf 28:15 erhöhte.

Die Sensation war perfekt. Dennoch. Den Sprung aus der Abstiegszone schafften die Wombats (Rang zwölf, 17 Punkte) nicht, weil der Tabellenelfte Dudweiler (19 Punkte) auch erfolgreich war. Brotdorfs Vorsprung auf den Vorletzten Sprengen beträgt nun aber zwei Zähler. Im kommenden Heimspiel gegen den SV Zweibrücken II (Sonntag, 17 Uhr, Seffersbachhalle) heißt es nun nachlegen – und davor ordentlich auflegen: Wer schwenkt, gewinnt. „Die saarländische Erfolgsmethode“, lacht Thomas Schmitt. Das große Buch der Trainingswissenschaften sollte umgeschrieben werden.

Die Tore für den TuS Brotdorf: Marvin Hoff 5, Timm Reinert 5, Ralf Kreibig 4, Lucian Scheid 4, Christian Leinen 3, Christian Schneider 3, Nikolas Jung 2, Matthias Böhm 2, Elias Ebert 1, Philipp Krangemann 1.






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