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Tolle Truppen zeigen Ästhetik

Merchweiler
Tolle Truppen zeigen Ästhetik
Anja Kernig
4. April 2017

17 Gruppen treten bei Saarland-Meisterschaft der Männerballette in Merchweiler an. Mehrfach stehende Ovationen.
Das Männerballett des KUV Wiebelskirchen war eines der Höhepunkte bei den Saarlandmeisterschaften in Merchweiler. Foto: Jörg Jacobi
Das Männerballett des KUV Wiebelskirchen war eines der Höhepunkte bei den Saarlandmeisterschaften in Merchweiler. Foto: Jörg Jacobi

Die Zeiten des Fremdschämens sind endgültig vorbei: Während man früher schon mal mit XXL-Nackedeis in Riesenwindelpaketen und futuristischen Körbchengrößen über Freiluft-wallenden Bierbäuchen konfrontiert wurde, ist Männerballett anno 2017 in aller Regel ein ästhetisches und sportliches Highlight. Gleich 17 dieser Höhepunkte am Stück präsentierte die Karnevalsgesellschaft Ki-Ka-Ju, die die Saarland-Meisterschaft am Samstag zum dritten Mal nach Merchweiler in die Allenfeldhalle holte.

So kurios die Namen wie „Bierraten“ oder „Gefühlsecht“ anmuteten, so überzeugend waren die Darbietungen der Tanzgruppen – ob als elf Freunde, die sich auf dem Rasenplatz in Cheerleader verwandeln, Polizisten und Superhelden, die gegen Schurken kämpfen oder, wie im Fall der gastgebenden „Schwulen Elfen“ unter Leitung von Michael Marx, als Zeitreisende unter dem Motto „Forever Young“.

Was gewissermaßen auch für Mathilde Krämer galt. Mit ihren fast 91 Jahren dürfte die Dudweilerin die älteste Zuschauerin im ausverkauften Saal gewesen sein. Trotz ihres Handicaps – ihre Mutter sei gehörlos, verriet Tochter Rita Bernardi, die in Gebärdensprache übersetzte – hatte die alte Dame im Fanblock der Fladschnickel der AGH Heidstock einen Heidenspaß. „Super Veranstaltung, wir sind total begeistert“, lobten die beiden Frauen unisono. „Ich habe selbst früher in der Garde getanzt“, erzählte Rita Bernardi. Wobei das Talent in der Familie liegt, auch Mathildes Enkelin tanzt im Verein. Die Leistungen, die hier gezeigt werden, seien beachtlich. „Tolle Stimmung, tolle Tänze, tolle Kostüme, was will man mehr.“ Unter die Fangruppen und Gäste mischte sich auch ein bestens gelaunter Bürgermeister Patrick Weydmann, der immer wieder Fotos schoss.

Während man am frühen Abend vielleicht noch über die Durchsage „Ist jemand von den Asseler Schneeflöckchen im Saal?“ lächelte, wandelte sich die Belustigung beim Auftritt der jungen Pfälzer in Respekt: In einem 1A-Bühnenbild, bestehend aus der Ansicht des Londoner Towers und dem Innenleben eines mechanischen Uhrwerks im Towerturm, tanzten sich die bronzefarben, sehr edel als Steam-Punks kostümierten Schneeflöckchen die Seele aus dem Leib. Honoriert wurde das mit den ersten Standing Ovations des Abends. Dabei blieb es aber nicht, denn auch die heimischen Gruppen glänzten mit einfallsreichen Choreografien, spektakulärer Akrobatik – und super Kondition.

„Das ist Leistungssport“, bestätigte Sascha Becker von den Neunkircher „Danzdeiweln“, „man kann das mit Fußball vergleichen.“ Seit seinem zweiten Lebensjahr tanzt der Informatikstudent bei den Daalern. Warum er so lange dabei geblieben ist? „Weil es Bock macht und weil es eine tolle Truppe ist. Man lernt bei den Wettkämpfen auch immer wieder interessante Leute kennen.“ Mit einem Grinsen nannte Becker noch ein letztes Argument: „Tanzen ist gut für die Figur.“ Ganz neu diese Saison dazu gestoßen ist Marcel Janes. „Ich war vorher beim Männerballett der Feuerwehr in Sulzbach.“ Für ihn ist der Sport ein schöner Ausgleich zur Tätigkeit als DPD-Zusteller. „Es macht Spaß“, außerdem sei der Zusammenhalt untereinander klasse. Gewinnen ist dabei, wenn überhaupt, die schönste Nebensache der Welt.

 

Zum Thema:

 

Blau-Gelb Wiebelskirchen bester Kreisvertreter Die Plätze eins bis drei gingen an die Asseler Schneeflöckchen, Isseler Cultur Verein sowie die Männerballette KG Rot-Weiß Losheim und Noswendler KV. Aus dem Kreis Neunkirchen erreichten die Tänzer vom KUV Blau-Gelb Wiebelskirchen mit Platz fünf das beste Ergebnis. Weiter dabei: Danzdeiwel KV Die Daaler Neunkirchen, das Männerballett der Illinger Knallerbsen, Die Lumbumbas von So war noch nix Ottweiler, Les Flatschniggels von den Ischele Wustweiler, das Männerballett der Wemmedswella Knausekäpp und „Schwule Elfen“ Merchweiler.






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