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Junge Faasebooze lassen die Senioren aufblühen

Dudweiler
Junge Faasebooze lassen die Senioren aufblühen
Stefan Bohlander
23. Februar 2017

Eine Abordnung von „Mir sin do“ tritt vor Demenzkranken im Café Vergissmeinnicht in Dudweiler auf.
Die Gardemädels tanzen für die Gäste im Café Vergissmeinnicht. Foto: Iris Maurer
Die Gardemädels tanzen für die Gäste im Café Vergissmeinnicht. Foto: Iris Maurer

Die Tür geht auf, die Gardemädels kommen herein. Zu einer karnevalistischen Version des Rock-Klassikers „Highway to hell“ stellen sie sich in einer Reihe auf, laufen auf, laufen ab. Die elf Mädchen schwingen die Beine in die Höhe, nehmen sie wieder runter, tanzen im Halbkreis, formen einen Stern, das Publikum applaudiert, einer sagt: „Oh wie scheen, die Kinnerscher“. Belohnt wird der Auftritt nach alter Tradition mit einer dreistufigen närrischen Rakete – auch wenn es sich um keine normale Kappensitzung handelt.

Der Auftritt der Juniorengarde des Vereins „Mir sin do“ (Burbach) war am vorigen Dienstagnachmittag Teil der regulären Betreuungszeit im Café Vergissmeinnicht für an Demenz erkrankte Menschen in Dudweiler. „Wenn die Kinder kommen, merkt man regelrecht, wie die Senioren aufblühen“, sagt Thomas Ganz. Er ist der Leiter des Cafés, das in Dudweiler ins DRK-Sozialzentrum am Markt integriert ist, und eines Cafés in Saarbrücken. Mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern setzte er die Idee bereits zum dritten Mal um.

Gerade der Auftritt der Juniorengarde und generell der Kontakt mit Kindern sei ein wichtiger Bestandteil der Betreuungstätigkeit. Die emotionale und vor allem nicht wertende Intelligenz der Kinder sei für die Gefühlswelt der Erkrankten, deren kognitive Wahrnehmung ja oft eingeschränkt sei, ein enormer Gewinn. Die Erkrankten seien ja quasi ständig mit „Befehlen“ konfrontiert, jemand sagt „Setz dich dorthin“, ein anderer weist darauf hin, dass man eine Bluse falsch zugeknöpft habe. Insofern sei es ideal, dass Kinder nicht bevormundend daherkämen.

Wie es sich für eine „Kappensitzung light“ gehört, sorgte man auch für eine kleine Bütt. Im mit Luftschlangen und Spongebob-Schwammkopf-Hüten geschmückten Halbkreis sitzend lauschte das knappe Dutzend Café-Besucher den Witzen, die Thomas Ganz erzählte. In alter Faasend-Tradition ernteten die Pointen einige „Uiuiuiuiuiui“-Rufe oder „Dä-dää Dä-dää“-Kommentare. Mit in der „Bütt“ saß Karin Steigleiter, Inhaberin des Café Steigleiter. Mit ihrem Team spendete sie Berliner, Donuts mit einem Schaumkuss als Nase und lachendem Mund aus Marzipan und Mützen aus Mürbeteig. „Es könnte jeden treffen“, erklärte sie ihr Engagement. Sie habe einen Bericht im Fernsehen gesehen und sich daraufhin zur Spende entschlossen. „Wenn es einem gut geht, kann man auch gerne mal etwas abgeben“, sagte sie und gab spaßige Anekdoten aus ihrem Alltag wieder.

16 Cafés habe man saarlandweit, erläuterte Alexander Andrzejczak, Fachbereichsleiter Pflege beim DRK-Landesverband. Nicht überall werde die Faasend so groß gefeiert wie am Dienstag in Dudweiler, doch generell gehöre es natürlich zum Konzept, zu bestimmten Festtagen solche Veranstaltungen anzubieten. Die Wichtigkeit von Betreuung demenziell erkrankter Menschen verdeutliche eine Zahlenkette: 9,3 Prozent der über 65-Jährigen im Saarland seien an Demenz erkrankt – etwa 21 000 Menschen. Und auch wenn es bei einer Aktion wie der Faasendfeier nach einer Spaßveranstaltung aussehe, gelte doch: „Es ist eine hochfachliche Arbeit, die dahintersteckt.

Kontakt über Alexander Andrzejczak, Tel. (06 81) 5004 – 248.






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