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„Wir brauchen Planungssicherheit”

Velsen
„Wir brauchen Planungssicherheit”
Doris Döpke
30. März 2017

Frust beim Verein Erlebnisbergwerk Velsen: Die erfolgreiche Arbeit bringt ihm zwar Lob ein von der Politik – aber die Macher vermissen Taten.
Blick ins Erlebnisbergwerk Velsen: Dort kann man verschiedene historische Stadien der Gruben-Technik besichtigen. Aber nicht museal, sondern in Funktion, in Aktion. Diese Lebendigkeit liegt dem Verein Erlebnisbergwerk Velsen ganz besonders am Herzen. Warum, haben der Vorsitzende Volker Etgen (rechts oben) und sein Stellvertreter Hermann Braun (rechts unten) im SZ-Redaktionsgespräch geschildert. Fotos: Becker & Bredel
Blick ins Erlebnisbergwerk Velsen: Dort kann man verschiedene historische Stadien der Gruben-Technik besichtigen. Aber nicht museal, sondern in Funktion, in Aktion. Diese Lebendigkeit liegt dem Verein Erlebnisbergwerk Velsen ganz besonders am Herzen. Warum, haben der Vorsitzende Volker Etgen (rechts oben) und sein Stellvertreter Hermann Braun (rechts unten) im SZ-Redaktionsgespräch geschildert. Fotos: Becker & Bredel

Volker Etgen und Hermann Braun sind sauer. Der Vorsitzende des Vereins Erlebnisbergwerk Velsen (EBV) und sein Stellvertreter ackern und wirbeln zusammen mit ihren Vereinsmitgliedern seit fünf Jahren, um den ehemaligen Lehrstollen auf dem früheren Velsener Grubengelände zu erhalten. Und ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, auf dass die Bergbau-Vergangenheit der Region lebendig bleibe. Etgen, Braun und ihr Team haben Erfolg: Die Gruben-Technik funktioniert, das Publikums-Interesse ist ungebrochen. Sie bekommen Lob. Auch von Politikern aller Couleur.

Und eben das bringt sie auf die Palme. Freundliches Schulterklopfen haben sie satt – sie hungern nach Taten. „Seit fünf Jahren kriegen wir dasselbe Gespräch gehalten“, sagt Braun beim Gespräch in der SZ-Redaktion, „konkret zu greifen ist aber nichts.“

Was passieren soll? Der EBV hat den Lehrstollen seit dem 1. April 2012 gemietet von der RAG, der Bauten und Flächen gehören. Die aber darf aus subventionsrechtlichen Gründen nur kurzfristige Verträge schließen. Stets nur für ein Jahr. So kann der EBV nichts Langfristiges in Angriff nehmen. Das, sagt Etgen, sei nur zu ändern mit einer Eigentumsübertragung.

Die Dreier-Konstruktion, mit der sich das erreichen ließe, hat der EBV schon vor Jahren ins Spiel gebracht: Der Verein kauft der RAG die Anlage für einen Euro ab. Mit allen Rechten und Pflichten, Erhaltung inklusive. Freilich muss die RAG ihre Nach-Bergbau-Pflicht erfüllen, muss dafür sorgen, dass das Erlebnisbergwerk baulich gesichert – sprich: verfüllt – wird. Und wenn sofortiges Verfüllen nicht angesagt ist, muss sie den Betrag bezahlen, den man dafür später braucht. Damit die Sicherung auch noch bei einer Vereins-Auflösung garantiert ist, könnte die RAG die Summe bei einem Treuhänder hinterlegen. Etwa beim Wirtschaftsministerium. Ganz einfach, finden Etgen und Braun. Aber es bewege sich nichts.

Warum ihnen der Eigentümer-Status wichtig ist? „Wir brauchen Planungssicherheit“, sagt Braun. Bei Besucher-Anfragen für 2018 könne man nur unter Vorbehalt zusagen, weil der aktuelle Vertrag zum Jahresende ausläuft. „Wir investieren ja auch“, sagt Etgen: 75 000 Euro hat die neu eingerichtete „Knubbebud“ gekostet, 15 000 Euro der Vorbau für die Tagesstrecke; ein Auto hat der Verein angeschafft, einen Gabelstapler, Werkzeug. Jetzt soll die „Schmiede“ aktualisiert werden, die Werkstatt unter Tage. Etgen und Braun haben noch viel mehr Dinge im Sinn, die die Anziehungskraft des Ortes steigern könnten. Und bestens ins Konzept der europäischen Leader-Förderung passen. Aber Leader-Anträge für Velsen kann nur der Eigentümer stellen – und der Verein ist nur Mieter.

Woher kommt das Geld für Investitionen und Bau-Unterhaltung? „Aus den Eintrittsgeldern“, sagt Etgen, „das ist doch eine Erfolgsgeschichte!“ 8600 Besucher kamen 2016, davon mehr als 3000 Kinder und Jugendliche; als außerschulischer Lernort sei das Erlebnisbergwerk inzwischen fest etabliert.

Und dennoch passiere nichts, sagen Etgen und Braun frustriert: „Es interessiert sich keiner dafür.“

 

Zum Thema:

 

Im Jahr 2013 haben Experten die Bergbau-Standorte im Saarland analysiert. Nachdem ihr Gutachten vorlag, hat die Landesregierung vier Bergbau-Denkmäler – darunter Velsen – zu „Premium-Standorten“ erklärt, die erhalten werden sollen. Neue Nutzungen und Kosten-Fragen blieben offen. Dazu gab das Land ein zweites Gutachten in Auftrag. Das Wirtschaftsministerium, zuständig für Bergbau-Fragen, erklärte jetzt auf SZ-Nachfrage, dieses „vertiefende Gutachten“ befinde sich „noch im Abnahmeprozess“. Die Expertise, unter Federführung der LEG Saar erarbeitet, liege im Entwurf vor, müsse aber noch „um einige notwendige Details ergänzt und fertiggestellt“ werden.






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