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Tierschutzverein wappnet sich für Mai-Würfe

Völklingen
Tierschutzverein wappnet sich für Mai-Würfe
Angelika Fertsch
4. Mai 2017

Völklinger Tierschützer rechnen mit einer Katzenschwemme. Das Team kümmert sich aber auch um Eichhörnchen, Schwäne und Co.
Die Katzenbabys Pina, Paul und Pablo wurden am Nikolausweiher ausgesetzt. Tierschützerinnen Sarah Kindel und Christine Wendler (v. l.). Nemo, ein sechs Monate alter Siam-Mix, wartet auf Adoption. Fotos: Tierschutzverein (2)/Becker & Bredel
Die Katzenbabys Pina, Paul und Pablo wurden am Nikolausweiher ausgesetzt. Tierschützerinnen Sarah Kindel und Christine Wendler (v. l.). Nemo, ein sechs Monate alter Siam-Mix, wartet auf Adoption. Fotos: Tierschutzverein (2)/Becker & Bredel

Oben an der Verkehrsschule in der Gärtnerstraße hinter einem Stapel Grillholz habe die Katzenmutter mit drei Babys gehockt, berichtet Christine Wendler, Vorsitzende des Völklinger Tierschutzvereins. Und wie immer, wenn der Verein zu Hilfe gerufen wird, hat ihr Team vor einigen Tagen auch diese Katzenfamilie geborgen. „Zwei Junge sind uns leider gestorben“, bedauert die Tierfreundin, der Wurf war erst drei Tage alt. Dafür haben die drei in einer Box ausgesetzten Kätzchen, die Wendlers Stellvertreterin, Sarah Kindel, am St. Nikolaus Weiher einsammelte, überlebt.

„Es ist die Ruhe vor dem Sturm“, sagt Wendler bei einem Redaktionsbesuch. Jetzt werden die so genannten Mai-Würfe erwartet. In wenigen Tagen, so kalkuliert sie, ginge es richtig los. Anrufe, Alarm, überall wie jedes Jahr werden ausgesetzte Katzen gefunden, Würfe auch von frei lebenden Tieren. „Wir sind vorbereitet“, sagt Wendler. Mit „wir“ meint sie ihr Team: Neben Sarah Kindel, „ich nenne sie die Katzenflüsterin, ich bin eher der Hundemensch“, sind das engagierte Ehrenamtler mit einem dichten Netzwerk von Pflegestellen. Seit anderthalb Jahren steht Wendler an der Spitze des Vereins, der nach dem Tod der engagierten Vorgängerin Heike Willié erst einmal in ein tiefes Loch fiel. Erwin Kleber, der sich dann bereit fand, einzuspringen, musste aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz wieder abgeben. Jetzt ist Wendler am Zug. „Ich habe ein neues System eingeführt“, erklärt die Chefin in ihrer fröhlich-energischen Art. Klare Strukturen und Arbeitszuweisungen erleichterten vieles. Sie verteilt die Lasten auf mehrere Schultern. „Es klappt“, sagt Wendler. So erfolgreich arbeitet ihr Team, dass es vergangenes Jahr neben acht Hunden,15 Häschen und neun Zwergkaninchen 116 Katzen vermitteln konnte. 65 von ihnen waren Fundtiere, die restlichen so genannte Abgabetiere. „Leute können Futter oder Tierarzt nicht mehr bezahlen. Oder jemand aus der Familie hat eine Allergie gegen Tierhaare entwickelt.“ Merkwürdig sei allerdings, dass auffällig häufig Allergien vor Ferien aufträten, meint Wendler. Wobei ihr lieber ist, die Tiere werden bei ihr abgeliefert, als ausgesetzt. So wie die 13 Häschen im Warndtwald vor zwei Jahren. Traurig sei auch, wenn man Tiere aus einem Haushalt holen müsse, wo Frauchen oder Herrchen gestorben sind, das Tier neben der Leiche trauert. „Kater Joker hat Wochen gebraucht, um den Schock zu verdauen, hat kaum gefressen und sich nur verkrochen.“

Der Tierschutzverein kümmert sich aber nicht nur um Katzen, Hunde und Hasen. Auch zwei Frettchen waren schon zu Gast. Ein aus einem privaten Garten ausgebüxter Schafsbock, der in der Heidestraße Autos attackierte, musste eingefangen werden, ein Eichhörnchen versorgt mit gebrochenem Fuß, ein Schwan, der sich verirrt hatte.

Tierliebe kostet. 32 000 Euro fielen 2016 an Tierarzt-Kosten an für Operationen, Medikamente und auch Kastrationen von Katzen. Hilfreich sei die Unterstützung der Stadt Völklingen, sagt Wendler. Arztrechnungen für Fundtiere kann der Verein direkt an die Stadt weiterleiten. Christina Hennrich, Justiziarin der Stadt: „Wir sind sehr froh über diese Regelung. Die Zusammenarbeit klappt bestens“. „Allerdings“, fügt sie hinzu, „ist es nicht unsere Aufgabe, sich um Kastrationen von Katzen zu kümmern.“ Es gehe um Fundtiere, die vom Verein im Auftrag der Stadt in Verwahrung genommen und versorgt werden. Zusätzlich zahle die Stadt pauschal 1500 Euro jährlich an den Tierschutzverein. „Diese Summe fließt in die Instandhaltung unserer Autos, Benzin wird gezahlt“, sagt Wendler. Einen Obolus zur kostspieligen Kastration von Völklinger Katzen steuert der Deutsche Tierschutzbund bei. In 2013 waren es 5000 Euro, die geflossen sind, in 2015 und 2016 jeweils 2000 Euro. „Jede Spende, jeder Beitrag hilft“, so Wendler.

Ein neues Projekt hat die tatkräftige Vereinschefin auch schon wieder im Auge: „Wir planen mit der Stadt ein Taubenhaus.“ Zu Unrecht hätten diese Vögel einen schlechten Ruf, meint Wendler. Durch falsche Fütterung bedingt, also durch den Mensch, würden die Tiere krank. Die Population zu dezimieren hält sie dennoch für wichtig. „Wir würden die Eier austauschen.“

Mehr Infos unter Tel. (0 68 34) 6 90 95 75 und (0 68 34) 6 90 95 76, kontakt@tierschutzverein-vk.de

 

www.tierschutzverein-vk.de

 

Zum Thema:

 

Rund 300 Mitglieder hat der Tierschutzverein Völklingen, der sich seit nunmehr 36 Jahren mit seiner ehrenamtlichen Arbeit engagiert. Mitglieder zahlen monatlich einen Beitrag von drei Euro, Familienbeitrag fünf Euro.






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