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Schwalben in den Süden fliegen, statt Eulen nach Athen tragen: Ortsgruppe Überherrn hatte in über 40 Jahren nur zwei Vorsitzende: Peter Gramm und Willi Wagner

Schwalben in den Süden fliegen, statt Eulen nach Athen tragen
Ortsgruppe Überherrn hatte in über 40 Jahren nur zwei Vorsitzende: Peter Gramm und Willi Wagner
Silke Rupp
21. Februar 2017

Mitglieder der NABU-Ortsgruppe Überherrn beim Anbringen von Nistkästen, die später auch vom Verein instandgehalten werden. Fotos: Hartmann Jenal
Mitglieder der NABU-Ortsgruppe Überherrn beim Anbringen von Nistkästen, die später auch vom Verein instandgehalten werden. Fotos: Hartmann Jenal

Mit zwei Namen ist die NABU-Ortsgruppe Überherrn eng verknüpft: Peter Gramm und Willi Wagner. „Peter Gramm hat den Verein 1967 als Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Alles begann mit der Pacht des Schlangenbruchs, um dieses Gebiet sicherzustellen“, erinnert sich der Vorsitzende Willi Wagner an die Anfänge, aus denen zehn Jahre später, im Oktober 1977, der eingetragene Verein „NABU Gruppe Überherrn“ hervorging. Und erzählt anschließend stolz von der nächsten großen Aktion dieser damals noch losen Vereinigung, die 1974 von Oktober bis Ende November stattfand: „Die Schwalben hatten in diesem Jahr eine verspätete Brut und schafften deshalb den Weg in ihr Winterquartier nicht mehr. In einer beispiellosen Aktion wurden in Zusammenarbeit mit den Feuerwehren von Bisten, Überherrn, Felsberg, Neuforweiler, Saarlouis, Differten und Merten über 10 000 Schwalben eingesammelt, in Bisten in Kisten verpackt und dann von der Polizei Überherrn nach Ensheim zum Flughafen gebracht. Von dort wurden sie in ihr Winterquartier geflogen!“

Willi Wagner, von Beginn an dabei, löste 1995 Peter Gramm als Vorsitzenden ab und ist seitdem für die Leitung der Überherrner Gruppe zuständig, die seit 2013 eine neue Satzung hat und sich NABU-Gruppe Überherrn nennt. „Zusammen mit meiner Frau Mechthilde, Peters Frau Josefine, Annemarie Kunzler, Bernd Gillo und Karl-Heinz Bohn, die alle im Vorstand tätig sind. Peter ist auch immer noch bei uns aktiv“, erzählt Wagner, der früher als Verkäufer im Außendienst tätig war. Auf die Tatsache angesprochen, dass es doch erstaunlich sei, in der über 40-jährigen Vereinsgeschichte nur zwei Vorsitzende gehabt zu haben, antwortet er mit einem Augenzwinkern: „Vielleicht war es auch ein bisschen Verzweiflung, weil sonst keiner zur Verfügung gestanden hat. Wir haben zwar 433 Mitglieder, aber aktiv sind davon nur fünf bis zehn.“

Doch die Vereinsmitglieder, die aktiv sind, erledigen vielfältige Aufgaben. Beispielsweise die Betreuung der drei Naturschutzgebiete Röchlingischer Steinbruch Berus, Eulenmühle Differten und Bist-aue. So sind 1986 im Steinbruch in Berus und im Beruser Wald zehn Uhus mit Hilfe von Artur Klimbingat wieder eingebürgert worden. „Auch der Biber ist 1995 von der Elbe in Sachsen-Anhalt in Überherrn, Bisten sowie Differten angesiedelt worden und mittlerweile heimisch“, freut sich der Vorsitzende über die erfolgreiche Arbeit der NABU-Ortsgruppe. Und fügt hinzu: „Der Verein hat seit seiner Entstehung auch viele Grundstücke gekauft, vor allem in einigen interessanten Teilen der Gemeinde Überherrn.“ Dazu kommt die jährliche Beteiligung an der Piccobello-Aktion, das Aufhängen und Instandhalten von Nistkästen sowie die Pflege eines Obst-Grundstücks. Stellungnahmen zu Bauvorhaben gehören ebenfalls zu den Tätigkeiten des Vereins. „Wir versuchen immer, objektiv alle Fakten abzuwägen – wir sind natürlich nicht gegen alles, aber auch nicht mit allem einverstanden“, so Wagner.

Ein weiteres Aufgabenfeld der NABU-Gruppe ist sehr abwechslungsreich: „Wir sind für viele Menschen, die mit einem unvorhergesehenen Tier-Problem wie beispielsweise einem aus dem Nest gefallenen Vogel konfrontiert sind, die erste Anlaufstelle“, schildert Willi Wagner. Und erklärt auch gleich, was in diesem Fall zu tun ist: „Das Tier nicht anfassen, denn die ‚Alten‘ kümmern sich darum.“ Und fügt hinzu: „Die Anliegen der Leute an uns sind sehr vielfältig und wir bemühen uns immer um eine Lösung. Ich habe schon einen Falken aus dem Kamin befreit und überlegt, wie man Enten aus einem privaten Schwimmteich locken kann.“

 

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Auf einen Blick Wer sich für die Nabu-Ortsgruppe Überherrn interessiert, kann sich bei Willi Wagner unter Telefon (0 68 36) 9 23 83 melden.




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