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Kultur des Singens droht zu verschwinden

Freisen
Kultur des Singens droht zu verschwinden
Frank Faber
23. Februar 2017

Beim Männerchor Eintracht Freisen ruht der Gesang und der MGV Cäcilia Güdesweiler steht nach 127 Jahren vor der Auflösung.
Viele Jahre ist diese Aufnahme her: Die Zahl der aktiven Sänger der Eintracht Freisen beim Jubiläum 1961 sah noch etwas stärker aus als zurzeit. Foto: privat
Viele Jahre ist diese Aufnahme her: Die Zahl der aktiven Sänger der Eintracht Freisen beim Jubiläum 1961 sah noch etwas stärker aus als zurzeit. Foto: privat

„Du bist das Ding für mich, und die Chöre singen für dich“, lautet der Refrain im Hit „Chöre“ von Popsänger Mark Forster. Leider trifft seine als Mut machende Botschaft gemeinte Ansage auf zwei Männergesangvereine (MGV) in der Region nicht mehr zu. Beim Männerchor Eintracht Freisen ruht der Gesang, der MGV Cäcilia Güdesweiler steht nach 127 Jahren vor der Auflösung. Grund sind massive Personalprobleme wegen Überalterung der Sänger.

Bis Ende des vergangenen Jahres haben beide Klangkörper als Chorgemeinschaft fungiert. Im Dezember hat dann Dirigent Günter Haßdenteufel seinen Vertrag gekündigt. Wie der MGV Freisen in einer Presserklärung mitteilt, hatten zuvor „der Ex-Vorsitzende Manfred Müller und Pressewart Bernd Kraus wegen unüberbrückbarer Differenzen mit Chorleiter Haßdenteufel ihre Mitgliedschaft beendet“. „Bei uns sind die Sänger einfach zu alt, sie wollten das mit der Chorgemeinschaft nicht mehr auf sich nehmen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Hans Schmidt. Um als eigenständiger Chor weiter machen zu können, fehlen die Sänger. Bei der Jahreshauptversammlung hat der Verein deshalb beschlossen, den MGV für 2017 „inaktiv zu stellen“ und beim Kreischorverband abzumelden. „Wir wollen in dieser Zeit versuchen einen Projektchor zu gründen, alternativ dazu käme als zweites Projekt ein Gemischter Chor infrage“, so der 77-jährige Schmidt zu künftigen Zielen. Mit dem Dirigenten des Gospelchors aus Gehweiler, Frank Keller, habe man bereits Kontakt. Schmidt hofft, mit dem Vorhaben neue Chormitglieder gewinnen zu können.

„20 Sänger sollten wir im Projektchor schon sein“, so der stellvertretende Vorsitzende. Sein Güdesweiler Amtskollege Hans Gatzweiler treiben nach dem Aus der Chorgemeinschaft ganz andere Sorgen um. Aktuell sind nur noch eine Handvoll Sänger übrig, weshalb Gatzweiler die Notbremse ziehen muss. „Ich sehe keine Chance mehr und muss gemeinsam mit dem Vorstand die Auflösung des Chors in die Wege leiten“, bedauert der 69-jährige Vorsitzende.

Beraten wird darüber bei der Jahreshauptversammlung am 2. März, 20 Uhr, im Gasthaus Flare, für eine Woche später ist die Auflösungsversammlung (9. März, 20 Uhr, Gasthaus Flare) einberufen. Damit diese Versammlung satzungsgemäß stattfinden kann, müssen 50 Prozent der 80 Vereinsmitglieder anwesend sein.

Über die Auflösung des MGV entscheidet dann die Dreiviertelmehrheit der Stimmberechtigten. „Auch für mich kein einfacher Schritt“, sagt Gatzweiler, der seit 2000 im Amt ist. Aber wie heißt es in Forsters Popsong „Chöre“ weiter: „Hör auf dich zu wehren, es macht doch keinen Sinn“.






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