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Hauptsache, wir dürfen endlich wieder vor Publikum spielen!

Hauptsache, wir dürfen endlich wieder vor Publikum spielen!
30. September 2020

Musikfreunde Perl-Besch veranstalten ein musikalisches Picknick im Park von Nell

Es war schon eine verrückte, aber für Vereine auch durchaus gefährliche Zeit. Die Musikfreunde Perl-Besch standen im März unmittelbar vor ihren zwei großen Jahreskonzerten. Alles war fertig: Veranstaltungsräume, Flyer und Plakate, Essens- und Getränkebestellungen, Werbung. Zum Abschluss nur noch das Probewochenende für den „Feinschliff“, dann konnte es endlich losgehen. War man dienstags in einer abschließenden Vorstandssitzung noch der Meinung, die Konzerte, wenn auch mit weniger Publikum, stattfinden zu lassen, so kam zwei Tage später das endgültige Aus: Alles musste abgesagt werden. Monatelange Probearbeit war umsonst. Einen Tag später wurde dann auch der komplette Probebetrieb eingestellt, ebenso der Unterricht für die Musikschüler.
Dass so etwas mal passiert, daran hat vermutlich niemand jemals gedacht. Dass es dann bis zum 19. Juni dauern sollte, bis wir den Probebetrieb wieder aufnehmen durften, ebenfalls nicht. Man machte sich viele Gedanken, wie es denn wohl weitergehen würde: Wie viele Musiker springen ab, da es ja die letzten Monate durchaus auch ohne Musikproben und Auftritte ging? Wie viele Musiker bleiben dem Verein treu, weil ihnen unsere Kultur wirklich wichtig ist? Mit etwas Bangen lud man zur ersten Probe im Freien ein, zu der man sich bitte voranmelden sollte, da die Bestuhlung im Vorfeld vorgenommen wurde. Die erste Probe konnte dann mit 25 Musikerinnen und Musikern stattfinden – mit 3m Abstand und im Freien. Aber das war egal. Unter den Anwesenden merkte man, dass man einfach froh war, sich endlich nochmal treffen zu dürfen und wieder gemeinsam Musik zu machen.
Nachdem man sich auf diese Weise schon mal durch das „Sommerferientief“ gerettet hatte, wurde dann mit den Dirigenten von Haupt- und Jugendorchester ein gemeinsames Probenziel festgelegt: Die Musikfreunde veranstalten ein musikalisches Picknick im Park von Nell. Jeder Gast versorgt sich selbst und bringt sein eigenes Picknick mit. Wieder einmal wurde ein Hygienekonzept und ein Veranstaltungskonzept aufgestellt, welches man sich erst durch den Krisenstab der Gemeinde genehmigen lassen musste. Als diese Weichen alle gestellt waren, konnte man loslegen. Werbung im Ort, Anmeldelisten erstellen, Kontaktdaten aufnehmen - im Vorfeld schon eine etwas andere Vorbereitung als sonst. Aber es kamen viele Anmeldungen und so freute man sich auf die Veranstaltung, damit man endlich wieder vor Publikum spielen durfte. Und dann…? Nachdem man im ganzen Saarland monatelang auf Regen gewartet hatte, kam dieser dann auch – ausgerechnet am Tag der Veranstaltung. Es war kalt und es nieselte ganz fies vor sich hin. Morgens vor dem Aufbau wurden alle Wetter-Apps verglichen, jede sagte etwas anderes. Aber bei allen sollte es ab 11 Uhr trocken sein. So wurde dann entschieden: „Wir ziehen das jetzt durch“. Auch auf die Gefahr hin, dass niemand zuhören kommt, wurden Tische und Bänke aufgestellt, die Hygieneregeln aufgehängt und die Bühne bestuhlt.
Um kurz vor elf Uhr ging es dann los: Die ersten Gäste kamen, ausgerüstet mit ihrem Picknick in den Park. Ihnen folgten weitere, so dass am Ende doch immerhin fast 100 Gäste die Veranstaltung besuchten – mit im Gepäck waren Essen, Getränke und sogar Pavillons. Die Korken knallten und die anwesenden Gäste ließen sich auch von dem immer wieder einsetzenden Nieselregen die Stimmung nicht verderben. Jugend- und Hauptorchester boten ein buntes musikalisches Programm dazu.

Beim abschließenden gemeinsamen Mittagessen unter den Musikern war man sich einig: Trotz aller Skepsis vorher und des widrigen Wetters war es am Ende doch eine gelungene Veranstaltung, auf der man nun weiter aufbauen kann. Es wird sich zeigen, was als Nächstes kommt. Und: ja, man hat in dieser Zeit auch Musiker verloren. Aber die Tatsache, dass trotzdem so viele Musiker sich jede Woche ganz selbstverständlich in der Whats-App-Gruppe zur Probe an- und natürlich auch mal abmelden, lässt die Hoffnung zu, dass man als Verein gemeinsam diese Zeit übersteht. Man darf nur nicht den Kopf in den Sand stecken – und man muss vielleicht auch mal ein bisschen kreativer werden.




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