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Kampf gegen das quälende JuckenHier finden Eltern Antworten auf viele Fragen

Kampf gegen das quälende JuckenHier finden Eltern Antworten auf viele Fragen
Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm
19. März 2008

Saarbrücken/Hamburg
 Pauline hat Spaß am Schaukeln. Seit sie ein Baby ist, leidet sie unter der Hautkrankheit Neurodermitis. Foto: Michael Schanding
Pauline hat Spaß am Schaukeln. Seit sie ein Baby ist, leidet sie unter der Hautkrankheit Neurodermitis. Foto: Michael Schanding

Saarbrücken/Hamburg. Eltern, deren Kinder unter Neurodermitis leiden, werden in der Regel von vielen Fragen gequält: Wo gibt es die beste Behandlung, beim Heilpraktiker, dem Kinderarzt oder dem Homöopathen? Wie gehe ich mit dem Kratzen um? Und oft auch: Was ist Neurodermitis überhaupt? Antworten gibt es nicht nur bei Ärzten, sondern unter anderem auch beim Deutschen Neurodermitis Bund (DNB) im Internet. Hier sind Kurzinfos, ausführliche Broschüren und viele weitere nützliche Tipps gebündelt. Zum Teil können die Hefte auch bestellt werden.

Grundsätzlich definiert der DNB Neurodermitis als Hautkrankheit, die durch Ekzeme, Juckreiz und trockene Haut gekennzeichnet ist. Sie trete in Schüben auf, zwischen denen relativ beschwerdefreie Intervalle liegen. Am häufigsten seien Kleinkinder und Babys betroffen. Der Zustand vieler Kinder bessere sich im Schulalter, manchmal komme sie später wieder. Dennoch lässt sich nicht voraussagen, wie die Erkrankung verläuft. Häufig gibt es bei Neurodermitis "eine erhöhte Bereitschaft zu Allergien, zum Beispiel auf Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Textilfarbstoffe oder Nahrungsmittel". Ein großer Zusammenhang bestehe zwischen Neurodermitis und der Psyche. Da die Hautveränderungen sichtbar sind, müssten betroffene Kinder und Eltern häufig schwierige Situationen meistern, wenn andere darauf reagieren.

Zudem führe der starke Juckreiz auch zu Schlaflosigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen. ust

Deutscher Neurodermitis Bund, Spaldingstraße 210, 20097 Hamburg, Telefon (040) 230810.

Saarbrücken/Limbach. Pauline malt eine Sonne, blatthoch, lila mit großen Strahlen. Dann springt die Vierjährige vom Tisch auf, schnappt sich ihre große Holzeisenbahn, lässt sie um den Tisch fahren, strahlt, erzählt vom Kindergarten, wo sie heute "ganz hoch geschaukelt" ist. Wer das Mädchen mit den halblangen, dunkelblonden Haaren in ihrem bunten Kleid anschaut, dem fällt auf den ersten Blick gar nicht auf, dass sie, seit sie etwa vier Monate alt ist, an einer quälenden Hautkrankheit leidet: Neurodermitis (siehe auch weiteren Text).

Nur wer es weiß, der sieht einige trockene, ein bisschen aufgekratzte Stellen - in der Armbeuge, den Kniekehlen, am Hals. "Zur Zeit hat sie eine gute Phase. Die Haut ist besser", sagt ihre Mutter Annette Burg, 40. Keine Selbstverständlichkeit. Um das zu erreichen, sind Mutter und Tochter einen langen, oft sehr beschwerlichen Weg gegangen. "Die ersten Anzeichen gab es schon direkt nach der Geburt. Sie war unter den Armen ganz rot", erzählt Annette Burg. Da dachte sie allerdings noch, das komme daher, da die Neugeborene in den ersten Tagen nicht gebadet wurde. Als es dann aber im Gesicht weiterging, die Stirn offen war, sich die trockenen, juckenden Stellen über den ganzen Körper ausbreiteten, war der Mutter klar: Die Kleine hat Neurodermitis.

Sie ist nicht die einzige in der Familie. Der große Bruder Felix, sieben, hat auch damit zu kämpfen, allerdings nur in leichter Form. Der Mann ist ebenfalls Neurodermitiker.

"Der Juckreiz ist das Belastendste", sagt Annette Burg. Die kleine Pauline hat sehr schnell gelernt, sich gezielt zu kratzen. Die Folge: offene Stellen, in die Bakterien oder Pilze eindringen, die wieder Entzündungen hervorrufen können.

Für Pauline und ihre Mutter beginnt eine Odyssee von Arzt zu Arzt. Zunächst ist es eine Heilpraktikerin, dann eine Spezialklinik in Thüringen, schließlich eine Hautärztin, die Kortison verschreibt. Davon gehen die roten Stellen zwar zurück, aber vor allem nachts kratzt sich Pauline immer noch oft. Die stark anti-entzündliche, den Juckreiz stillende Creme sollte, das empfiehlt auch der Deutsche Neurodermitis Bund, nur im akuten Schub angewendet werden. Pauline schläft nicht durch, liegt auf dem Bauch von Mutter oder Vater, die ihre Händchen festhalten.

Die ganze Nacht zu schlafen, das funktioniert bis heute nicht. Obwohl es ihr inzwischen viel besser gehe, sagt ihre Mutter. Sie setzt nun auf fett-feuchte Salbenumschläge. Zuerst werde dabei die Haut eingecremt, danach das Ganze mit in Tee getränkten Baumwolltüchern umwickelt. Auch die Ernährung spielt eine große Rolle. Bestimmte Dinge darf Pauline nicht essen, Nüsse zum Beispiel, andere, wie Süßigkeiten, nur sehr selten. "Und das weiß sie auch ganz genau."

Selbstbewusstsein ist ein entscheidender Faktor, wenn es um den richtigen Weg geht, mit der Krankheit zu leben - auch gegenüber Ärzten. Das klingt bei Annette Burg durch. Immer wieder stehe der Vorwurf im Raum: Wer nicht mit Kortison creme, der sei eine Rabenmutter. "Dabei habe ich nichts dagegen, verwende sie nur in Notsituationen. Ich weiß aber, dass es andere Wege gibt." Ihrer und der ihrer Tochter ist ein doppelter.

Auf der einen Seite stehen Heilpraktiker und Homöopathie, auf der anderen Seite geht sie regelmäßig in die Kinderklinik Kohlhof. "Alle wissen voneinander", unterstreicht Burg. Schließlich steht im Mittelpunkt, wie es Pauline geht. "Die ersten Anzeichen gab es schon direkt nach der Geburt."

Annette Burg

Hintergrund

Für die Selbsthilfegruppe "Eltern neurodermitiskranker Kinder" sucht Annette Burg, deren Tochter selbst an der Krankheit leidet, dringend Mitstreiter. "Zum Teil ist das Interesse noch gering, obwohl Neurodermitis auf dem Vormarsch ist." Im zweiten Jahr gibt es die Gruppe, die im Prinzip saarlandweit auftritt, berichtet Annette Burg. Alle zwei Monate wurden bislang Termine angeboten. Wechselweise gab es einmal Gesprächsrunden und Treffen mit Referenten, wie Kinderärzten und Heilpraktikern. Der nächste Termin, für alle Interessierten, die in der Gruppe mitarbeiten möchten, ist am Donnerstag, 27. März, 20 Uhr, Eichenweg 18 a, in Limbach. Wenn sich dann niemand dazu bereit erklärt mitzuarbeiten, wird es die Gruppe künftig nicht mehr geben.

Weitere Infos gibt es bei Annette Burg, Tel. (06841) 890358. Interessierte sollten sich anmelden. ust






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