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„Man muss merken, da brennt jemand“: Mit ungebrochener Lust am Darstellen bringt der Theater- und Spielverein „Die Kulisse“ seit 44 Jahren Kultur auf Neunkircher Bühnen

„Man muss merken, da brennt jemand“
Mit ungebrochener Lust am Darstellen bringt der Theater- und Spielverein „Die Kulisse“ seit 44 Jahren Kultur auf Neunkircher Bühnen
Anja Kernig
21. Februar 2017

In dem Stück „Die Physiker“ verkörperte der Vorsitzende Markus Müller (rechts) das Genie Möbius, hier mit Schwester Monika, alias Ulrike Goethe. Foto: Anika Meyer
In dem Stück „Die Physiker“ verkörperte der Vorsitzende Markus Müller (rechts) das Genie Möbius, hier mit Schwester Monika, alias Ulrike Goethe. Foto: Anika Meyer

Aus den Fenstern im oberen Stockwerk des ehemaligen Schulhauses Heinitz fällt warmes Licht. Hier befindet sich die temporäre Heimstätte des 1973 in Wiebelskirchen gegründeten Theater- und Spielvereins „Die Kulisse“. Wer die scheppernde Wendeltreppe nach oben steigt und die schwere Brandschutztür öffnet, findet dahinter ein Paralleluniversum vor: Menschen mit ulkigen Hüten und Perücken, Ganzkörperfellen, Kleidern und Uniformen wuseln in dem Sportsaal herum. Tische sind zusammengerückt, darauf machen Keksschachteln, Thermosflaschen, Gummibärchen- und Chipstüten dicken Textheftern den Platz streitig. Das schnattert, das lacht, das singt, das erzählt – und geprobt wird auch gleich noch.

„Wir machen Theater mit Betonung auf ‚Machen‘. Wir glauben aber nicht, dass wir deshalb bessere Menschen sind“, meint der Vorsitzende Markus Müller lächelnd. Seit dem Gymnasium spielt er Theater.

 

Seit 1996 gibt Müller bei der „Kulisse“ den Ton an

Zur „Kulisse“ stieß der spätere Politikwissenschaftler, Redakteur und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Neunkircher Rathaus, mit 20. Geprägt hat Müller vor allem sein Studienjahr am Department of Theatre der University of Missouri/Columbia. 1996 übernahm er den Vereinsvorsitz der „Kulisse“. Seine Leidenschaft für Theatersport führte dazu, dass man 1992 als erster Verein im Saarland diese Improvisationstheaterform eingeführt hat. Nicht minder „revolutionär“ an der Saar war die aus der „Kulisse“ erwachsene Gruppe „Welljerholz“ mit ihrer Mundart-Comedy. Untrennbar mit der „Kulisse“ wie auch mit „Welljerholz“ verbunden ist und bleibt der Name Hardy Schwickert, auch nach dessen viel zu frühem Tod Anfang des Jahres.

 

70 Mitglieder zählt die „Kulisse“, darunter etwa 30 Aktive vor, auf und hinter der Bühne. „Der Verein steht allen offen, die sich für Theater begeistern. Bei uns können sie sich entwickeln“, so Müller. Dafür werden regelmäßig Fortbildungen und Workshops angeboten wie etwa Improvisationstheater, Bewegung auf der Bühne oder Schauspieltraining mit der Staatstheater-Mimin Nina Schopka. Etwas wehmütig erinnert sich Müller an Zeiten, in denen der Verein mehr Lebensmittelpunkt war. „Da ist man bei allen Proben dabei gewesen“, manchmal nur zum Zugucken und Stricken. „Heute arbeiten wir projektorientiert.“ Das Gute daran: „Dann sieht das Publikum nicht immer dieselben Gesichter.“ Ein bis zwei Produktionen stemmt die „Kulisse“ pro Jahr, im Zwei-Jahres-Rhythmus präsentiert man das Neunkircher Weihnachtsmärchen der Kulturgesellschaft.

 

Für jedes Stück muss man sich neu erfinden

Nichts geändert hat sich am eigenen Anspruch. „Wir spielen als Amateurtheater Regionalliga, nicht Kreisklasse.“ Dafür müsse man sich aber auch „jedes Mal neu erfinden“. Man denke nur an „Clockwork Orange“, „Woyzeck“, „Die Zofen“ – oder zuletzt „Die Physiker“ von Dürrenmatt. Mit der grotesken Komödie habe man sich gerade für den Saarländischen Amateurtheaterpreis beworben. „Leichte Kost“ wie „Pension Schöller“ oder „Charlies Tante werde im Übrigen ebenso gern inszeniert, „aber es muss gut gemacht sein. Man muss merken, da brennt jemand“, stellt Müller fest. Und das überall – auch bei Bühnenbau, Technik, Requisite und Kostümen. „Was auf der Bühne zu sehen ist, ist eine Gemeinschaftsleistung. Alle sind wichtig, jeder soll sich kreativ einbringen können.“

 

Nachwuchssorgen gibt es per se keine, trotzdem ist man immer offen für neue Mitstreiter. Was man denen bieten könne? „Wir sind eine offene Truppe“, die einen liebevollen Umgang pflegt. Humor und Leichtigkeit werden kultiviert, „bei allem Stress, den wir haben“. Und vielleicht auch nicht ganz unwichtig: „Es gibt immer was zu essen“, lacht Müller und wird wieder ernst: „Elementar ist, wie man miteinander umgeht. Herzlichkeit und Leidenschaft sind die DNA unseres Vereins.“

 

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Auf einen Blick Aktuelle Infos zum Theaterverein „Die Kulisse“ findet man auf der Facebook-Seite des Vereins unter www.kulisse-nk.de Mail: kulisse-nk@web.de Ansprechpartner: Markus Müller, Tel. (01 70) 1 87 51 05 Mail: muellermeierschmidt@ neunkirchen.de




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