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Engagement geht nicht in Rente: Pensionär Friedrich Denne beschäftigt sich intensiv mit Geschichte und Namenskunde

Schiffweiler
Engagement geht nicht in Rente
Pensionär Friedrich Denne beschäftigt sich intensiv mit Geschichte und Namenskunde
Michael Beer
19. Oktober 2015

Friedrich Denne ist gerade erst aus dem Arbeitsleben ausgeschieden, deutlich ruhigere Tage wird er aber wohl kaum erleben. Der Schiffweiler Schiedsmann ist Vorsitzender des Vereins für Landeskunde im Saarland. Mit weiteren Aktionsfeldern hat er auch ohne Beruf so etwas wie einen Vollzeitjob.
Der 60-jährige Schiffweiler Bürger Friedrich Denne, hier im ehemaligen Zechenhaus in Reden, ist unter anderem Vorsitzender des Vereins für Landeskunde im Saarland. Foto: Thomas Seeber
Der 60-jährige Schiffweiler Bürger Friedrich Denne, hier im ehemaligen Zechenhaus in Reden, ist unter anderem Vorsitzender des Vereins für Landeskunde im Saarland. Foto: Thomas Seeber
Es ist ein bisschen gefährlich, Friedrich Denne auf Geschichte im Allgemeinen und Namenskunde im Besonderen anzusprechen. Denn dann sprudelt es aus dem 60-Jährigen nur so heraus. Die Begeisterung steht ihm auf die Stirn geschrieben, er kann über Familiengeschichten genauso referieren wie über historische Besonderheiten der Gemeinde Schiffweiler.

Wir treffen ihn im ehemaligen Zechenhaus im Erlebnisort Reden. Dort sitzt er im alten Verlesesaal und betreut an diesem Tag die Ausstellung „Historische Wahlen 1935 und 1955 im Saarland“. Es ist ruhig in dem hohen Raum, historische Ausstellungen sind nicht gerade massentauglich. Aber das ist nichts, was Denne in irgendeiner Form beirren könnte. Und der Geschichtler und frischgebackene Pensionär hat immer etwas zu tun, egal wo er gerade sitzt. Das Wissen um unsere Herkunft zu bewahren, das wird im Gespräch sehr schnell deutlich, ist ihm eine Berufung. Denne drückt es so aus: „Ein altes Sprichwort sagt, wer die Vergangenheit nicht ehrt, ist der Zukunft nicht wert.“

Er erinnert sich genau an den Tag, an dem er sich der Sache verschworen hatte: „Das war der Ostermontag 1979. Der hat mein Leben verändert.“ Seine Schwiegermutter war zu einem Sippentreffen der Familie Schneider eingeladen und er war mit dabei. Dias, Ahnentafeln, das Treffen mit kleinen Kindern und alten Leuten, die miteinander verwandt waren – das habe ihn schlichtweg fasziniert. Er hätte damals gerne alle vier angebotenen Ahnentafeln gekauft, seine Frau bremste ihn, so dass sie nur die Tafel erwarben, auf der die Familie auch zu finden war. Als sein eigener Vater später sagte, „mach doch so was mal von uns“, war der Ahnen- und Familienforscher geboren. Vier Themengebiete sind es heute: Landeskunde, Genealogie (Namensforschung), evangelische Kirchengeschichte und Archivkunde.

Der ehemalige Polizeibeamte stammt aus Landsweiler-Reden, er lebt in Schiffweiler. Sein beruflicher Werdegang führte ihn von der Beamtenausbildung bei der damaligen Deutschen Bundesbahn zur Bahnpolizei, heute Bundespolizei, wo er zuletzt polizeiliche Kriminalprävention machte. „Ich war ständig auf Achse“, erzählt er, „und habe große Events mitorganisiert.“ Eine Veranstaltung wie die Ausstellung in Reden auf die Beine zu stellen, sei für ihn deshalb keine besondere Aufgabe. Der Verein für Landeskunde im Saarland, kurz VLS, steht hinter der Saarabstimmungsausstellung. Denne ist Vorsitzender. Er habe gute Leute, die mit ihm im VLS arbeiteten, fügt er hinzu. Die braucht es wohl auch, denn das Jahresprogramm des Vereins ist üppig, bis Jahresende stehen noch einige Veranstaltungen an. Die Bedeutung dieses Zusammenschlusses von Landeskundlern werde gemeinhin unterschätzt, erläutert Denne. Der VLS habe 160 Mitglieder und 60 Verbände, Vereine und Organisationen, die mit ihm assoziiert sind. Er sei bis in die Landesregierung hinein und über die Landesgrenzen hinaus bekannt. „Alles geht über Schiffweiler, und kaum einer bekommt es mit“, sagt der Geschichtler mit einem Blick, der belustigt und betroffen zugleich scheint. Keine Frage, die Arbeit in einem Verein alleine füllt den Mann nicht aus.

Im historischen Verein seines Wohnortes ist er Schriftführer, er ist Mitglied bei den Schiffweiler Ringern wie Fußballern. Er gehört dem Förderverein des Ökumenischen Krankenpflegevereins des Ortes ebenso an wie den Förderern der Feuerwehr („Ich habe Hochachtung vor dem, was Feuerwehr und THW alles leisten“). Er ist in der SPD, ist Presbyter, in den örtlichen Schulvereinen, im Glöckchenverein und beim Freizeitverein FC Erzberg. Ach ja, Schiedsmann ist er seit 2008 auch. Und in den Berufsjahren war er gewerkschaftlich aktiv.

Er müsse etwas Produktives machen, erläutert er sein Engagement. Das brauche er einfach. Kürzer treten, das wurde Denne spätestens geraten, nachdem er dem Krebstod 2012 von der Schippe gesprungen war. Von „ein paar bösen Monaten“ spricht er, die ihn verändert hätten. Als Polizeibeamter habe er Tote und Verletzte gesehen und das gut weggesteckt, heute sei er wesentlich emotionaler.

Aber so richtig wird das mit dem Zurückschalten wohl nicht funktionieren. Vorträge, Führungen, der Geschichtsvereins betreibt einen regen Newsletter im Netz – ein Landes- und Familienkundler kennt eben keinen Feierabend.





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