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Die Leichtigkeit des Unkonventionellen: Erster Start aus Jux, WM-Titel beim zweiten: Thös verdankt ihre unglaubliche Karriere ihrem verstorbenen Hund

Dudweiler
Die Leichtigkeit des Unkonventionellen
Erster Start aus Jux, WM-Titel beim zweiten: Thös verdankt ihre unglaubliche Karriere ihrem verstorbenen Hund
Marcus Kalmes
11. Mai 2016

Sie bewirbt sich aus Spaß. Als die Zusage kommt, kann Svenja Thös nicht richtig schwimmen und hat kein Rennrad. Doch kurz darauf wird sie bei ihrem zweiten Triathlon schon Weltmeisterin. Nach nur vier Jahren in ihrem Sport greift die 24-Jährige nun im Triathlon-Mekka Hawaii nach den Sternen. Zu verdanken hat sie alles ihrem Hund Alissa. Und ihrer unkonventionellen Einstellung: „Einfach passieren lassen.“
Stark auf dem Rad, der Laufstrecke und im Neopren-Anzug beim Schwimmen: Svenja Thös. Die 24-Jährige aus Dudweiler hat sich für den Ironman auf Hawaii qualifiziert. Fotos: Finisherpix/Thös
Stark auf dem Rad, der Laufstrecke und im Neopren-Anzug beim Schwimmen: Svenja Thös. Die 24-Jährige aus Dudweiler hat sich für den Ironman auf Hawaii qualifiziert. Fotos: Finisherpix/Thös
„Ein ziemlich krasser Plan, den ich da habe.“ Das ist die ausweichende Antwort von Svenja Thös auf die Frage, wo in ihrem Leben Zeit für sie selbst bleibt. Ihr Motto sagt vieles über sie aus: „Wenn du weißt, was du willst, dann gibt es immer einen Weg.“ Und die 24-Jährige aus Dudweiler weiß, was sie will. Sie ist Studentin, Flugbegleiterin, Spitzensportlerin. „Ich wollte nach dem Abi erst einmal die Welt erkunden“, erklärt Thös, weshalb sie eine Ausbildung zur Stewardess absolvierte. Seither fliegt sie an den Wochenenden um die Welt. Unter der Woche studiert sie Sport und Englisch an der Saar-Uni. Das alles mit dem Leistungssport unter einen Hut zu bekommen: ein Kunststück. Ihr Erfolgsrezept? „Einfach passieren lassen.“ Das Lebensmotto ist kein Larifari-Gerede. Aber eben „ein ziemlich krasser Plan, den ich da habe“.

 

„Einfach passieren lassen.“ Der Satz beschreibt treffend den rasanten Aufstieg der zierlichen Frau. Der ist ziemlich krass. Und folgte keinem Plan. Thös hat sich trotzdem und nach nur vier Jahren in ihrem Sport bereits für den Ironman auf Hawaii im Oktober qualifiziert – den wichtigsten Triathlon über die klassische Langdistanz: 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen.

 

Dabei konnte Thös bis 2012 nicht einmal richtig schwimmen. Kraulen? Ein Fremdwort. Rennrad? Besaß sie nicht. Vier Jahre später hat sie für Hawaii bereits einen ehrgeizigen Plan. „Ein Podiumsplatz in meiner Altersklasse“, sagt die 1,68 Meter große und 51 Kilogramm leichte Triathletin vom LAZ Saarbrücken zu ihrer Chance bei den Amateuren. Sie ergänzt: „Keine Ahnung, welche Platzierung im Gesamtklassement mit den Profis rauskommen kann.“ Ihr Ziel: irgendwann als Profi in Hawaii starten. Was in ihrer Karriere rauskommen kann? Alles scheint möglich. Dabei klingt ihre Geschichte unmöglich. „Ich ritt als Kind Dressur“, erzählt Thös, deren Eltern eine Dachdeckerei in Friedrichsthal führen: „Danach begann ich mit Springreiten. Nach einem Sturz verlor ich aber die Lust.“ Ballett, Leichtathletik, Volleyball, Judo, Schwimmen, Tennis. Alles ausprobiert.

 

Als Thös zwölf Jahre alt war, bekam sie einen Hund. Beim Gassigehen fuhr sie mit dem Rad neben der agilen Alissa her, um mit dem Dalmatiner Schritt halten zu können. Es machte beiden Spaß. Sie wurde mit der Zeit auf dem Rad immer fitter. „Ich war irgendwann zu schnell für Alissa“, erzählt Thös. Deshalb fing sie an, neben ihrem Hund her zu joggen. „Am Anfang war ich ein extremer ,Lahmi'. Alissa musste immer auf mich warten“, erzählt sie schmunzelnd. Doch sie wurde auch im Laufen immer besser. „Ich war dann regelrecht vernarrt in das Laufen.“ Stets an ihrer Seite: Alissa.

 

Hund als erster Trainer

Der Grundstein für ihre Ausdauersport-Karriere war gelegt. Dank ihres Hundes. „Er war mein Mentor. Mein Vorbild. Mein erster Trainer.“ Mit Alissa hat sie über alles geredet – die wichtigste Bezugsfigur der jungen Frau, die nur wenige Freunde ganz nah an sich ranlässt. „Ich bin ein sehr auf mich bezogener Mensch“, sagt sie. Dass Thös dann beim Triathlon landete, verdankt sie aber sozusagen einem Vogel. Arbeitgeber Condor hatte seine Mitarbeiter animiert, im Jahr 2012 am Mallorca-Triathlon über die Halbdistanz teilzunehmen. „Ich habe mich aus Spaß um einen Startplatz beworben. Eigentlich ohne zu schauen, was das eigentlich ist“, erinnert sie sich. Thös bekam die Zusage. Und hatte zwei Probleme. Laufen konnte sie. „Ich hatte das Seepferdchen – konnte aber nicht kraulen, nur Brustschwimmen. Auch hatte ich kein Rennrad.“ Aber wie sagt sie? „Wenn du weißt, was du willst, dann gibt es immer einen Weg.“ Sie lernte im Hallenbad das Kraulen. Erstes Training, 800 Meter. „Ich war fertig mit der Welt, wollte meine Teilnahme absagen. Doch ich hatte noch nie etwas gewonnen. Und so sagte ich zu mir: Du musst diese Aufgabe bestehen.“ Thös beschreibt sich als Basta-Mensch. Sie sagte „Basta!“, trainierte an ihrem Kraul-Stil, besorgte sich ein Rennrad.

 

Resultat der unkonventionellen Vorbereitung: Rang zwei in ihrer Altersklasse. Nach dem überraschenden Erfolg in ihrem ersten Triathlon „sagte ich mir, dass ich das zwei, drei Jahre mache“. Ihr zweiter Triathlon war die WM in Las Vegas. In den USA gewann sie 2012 den Titel in ihrer Altersklasse. „Mein größtes Ziel war die Weltmeisterschaft. Das erreichte ich gleich in meinem zweiten Wettkampf.“ Ein neues Ziel musste her: kontinuierliche Leistungssteigerung. Dafür wurde das unkonventionelle Training auf ein leistungsorientiertes umgestellt. Es gelang: Thös wurde deutsche Meisterin und Europameisterin.

 

Doch im vergangenen Februar ein Rückschlag: Alissa starb. Der Verlust ihres Mentors und ersten Trainers traf sie schwer. Aber Thös ist eine Frohnatur – sie denkt positiv. Zwar stockt die Stimme in dem Moment, doch sie sagt: „Ganz oder gar nicht. Ich will nicht trauern. Ich denke nicht über Vergangenes nach.“ Will heißen: Mit den Erinnerungen an Alissa in ihrem Herzen führt sie ihn weiter, diesen „ziemlich krassen Plan, den ich da habe“.





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