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Hilfe gegen Kälte und Not: Der Kältebus steht bis zum 30. März gegenüber der Haltestelle Römerkastell

Saarbrücken
Hilfe gegen Kälte und Not
Der Kältebus steht bis zum 30. März gegenüber der Haltestelle Römerkastell
Tobias Ebelshäuser
7. Januar 2017

Jede Nacht von 21 bis 6 Uhr ist jetzt der Kältebus geöffnet. Er steht gegenüber der Haltestelle Römerkastell. Er ist geheizt – bietet Zuflucht vor der Kälte. Zum Bus gehören eine Küche, eine Toilette sowie ein Lager mit Lebensmitteln und Kleidern.
Vor dem Kältebus bietet eine Feuertonne Gelegenheit, sich an frischer Luft besser kennenzulernen. Fotos: Tobias Ebelshäuser
Vor dem Kältebus bietet eine Feuertonne Gelegenheit, sich an frischer Luft besser kennenzulernen. Fotos: Tobias Ebelshäuser

Gerade kommt wieder eine Ladung. Ein Auto hält vor dem Zaun, Papp-Paletten mit Konservendosen und Milch werden ausgeladen. Eine Packung Milch fällt hin, läuft auf dem Boden aus. Nicht so schlimm, heute ist genug da. Die Regale sind gut gefüllt.

„Das, was du hier siehst, ist alles heute Abend angekommen“, sagt Sybille Schneider. „Das war vorhin fast wie eine kleine Invasion.“ Das Vorstandsmitglied des Kältebus-Vereins steht im Lagerraum, räumt Spenden in die Regale ein, gibt aber auch direkt wieder Spenden an die Bedürftigen aus. Jeder der hier fragt, bekommt etwas, ein paar Dosen Suppe, ein paar Süßigkeiten und Hygieneartikel.

 

Seit drei Jahren im Einsatz

Heute Abend ist der ganze Vorstand da. Der Kältebus ist das dritte Jahr in Folge geöffnet. Bis zum 30. März wird nun täglich das Gelände von 21 bis 6 Uhr seine Pforten öffnen, für jeden der Wärme sucht – ob menschlich oder normal. Der beheizte Bus steht gegenüber der Haltestelle Römerkastell, dazu gehören ein Essens- und ein Kleiderlager, eine Küche und ein Toilettenhäuschen.

 

Doch es geht hier um mehr als nur um einen warmen Schlafplatz. Wie Jessica Leik vom Verein erklärt, übernachten pro Nacht meist zwischen zehn und 15 Leute im Bus, das ist nur ein Bruchteil derer, die im Laufe des Abends zum Essen vorbeikommen. Denn es gibt jeden Abend eine warme Mahlzeit, in geselliger Runde wird draußen ums Feuer gegessen. Viele kennen sich. Ein Mann kommt an das Lager. Sybille Schneider geht zu ihm, umarmt ihn. Er ist ein alter Bekannter, aus den letzten Jahren. „Schön dich zu sehen, Mensch“, sagt sie. „Das ist, wenn man sich drei Jahre kennt, dann sieht man sich die ganze Zeit nicht, und beim Kältebus kommen sie alle wieder.“ Man begleite sich quasi durch die Jahre.

Aber auch wenn sie die Geschichte einiger, die zum Kältebus kommen, kenne, sei dies keine Voraussetzung. Wer nichts erzählen wolle, der müsse dies auch nicht tun. „Natürlich fragt man mal nach einem Namen. Aber wir wollen nicht wissen wieso, weshalb, warum. Die Leute müssen sich nicht vor uns erklären“, sagt sie. Trotzdem stelle man sich gerade bei ganz jungen Menschen auch mal die Frage „Wie seid ihr da denn reingerutscht?“, erklärt Schneider.

Und tatsächlich: Auch am Montagabend sind einige junge Leute da. Zum Beispiel Tim. Eigentlich heißt er anders, möchte aber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Er sei nur temporär an einem Tiefpunkt angekommen, deswegen sei er jetzt hier. Eine Wohnung hat er zwar, übernachten im Bus muss er nicht, er kommt aber zum Essen. Wie er hier reingerutscht ist, das ist ihm sehr wohl bewusst. Zu früh habe er die falschen Entscheidungen getroffen, sich mit den falschen Menschen umgeben. Kurz vor seinem Realschulabschluss sei er von der Schule gegangen, hat seinen Hauptschulabschluss erst später nachgeholt.

 

„Ich muss bei Null anfangen“

„Wenn man aber erst mal den Anschluss an die Bildung verpasst hat, ist es schwer, das aufzuholen“, sagt er. „Ich muss quasi wieder bei Null anfangen. Aber das mit 28 Jahren, da kann man sich schon mal etwas schäbig vorkommen.“

 

Oder die 18-jährige Michelle. Eine Wohnung hat sie zwar nicht, obdachlos ist sie aber auch nicht. „Ich bin mal hier, mal da, ich kenne genug Leute in der Stadt, um irgendwo unterzukommen.“ Sie hat in einer Wohngruppe gelebt bis vor einem halben Jahr, wollte dort nach ihrem Realschulabschluss allerdings nicht bleiben. Nun möchte sie einen Neustart wagen, zu Freunden nach Leverkusen in eine WG ziehen. Ihr Traum ist es, dort eine Ausbildung zu finden und später in einem Hotel zu arbeiten.

Aber junge Menschen sind auch zum Helfen hier. Die 23-jährige Katja Bauer zum Beispiel. Sie studiert an der Uni in Saarbrücken BWL. Im Radio habe sie einen Bericht gehört, wie viele Menschen im Saarland eigentlich auf der Straße leben und dass der Kältebus diese Menschen unterstützen will. Da habe sie sich entschlossen, hier zu helfen mit Sachspenden und Mithilfe vor Ort.

Kontakt zum Kältebus-Team: Telefon (01 57) 80 88 48 30,

E-Mail: info@kaeltebus-saarbruecken.de

kaeltebus

-saarbruecken.de/saar/






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