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Neues Heim, große Ehre und viele Ideen

Saarbrücken
Neues Heim, große Ehre und viele Ideen
Susanne Brenner
7. April 2017

Label M. heißt ein Saarbrücker Kulturprojekt für Jugendliche. Das ist so gut, dass es jetzt sogar für einen Bundespreis nominiert ist.
Eine Szene aus dem Film „Crossover Saarbrücken“. Foto: Dilnas Bilgic
Eine Szene aus dem Film „Crossover Saarbrücken“. Foto: Dilnas Bilgic

Zwei sonnendurchflutete Räume, in der abgehängten Decke ein paar Löcher. Der Boden ist schmutzig, und der Weg dahin führt vorbei an Wänden mit blätterndem Putz und dem einen oder anderen Sperrmüll-Möbel. So sieht das Paradies aus. Wenn man Künstler ist, wenn man jemand ist, der seit Jahren tolle kreative Projekte mit Jugendlichen macht und dafür viel zu lange nur einen Container als Treffpunkt hatte.

„So wie wir bisher gearbeitet haben, ging es nur noch, weil wir ein bisschen verrückt sind“, sagt Thomas Langhammer. Mit einer weit ausholenden Bewegung zeigt er auf die stark renovierungsbedürftigen Räume und sagt: „Ist das nicht toll hier?“.

Und er hat Recht. Denn das neue Domizil von Label M, dem Jugendkulturprojekt des Künstlerpaares Gisela Zimmermann und Thomas Langhammer sowie der Pädagogin Rûken Tosun, ist ein verheißungsvoller Ort.

In der Alt-Saarbrücker Eisenbahnstraße 14, wo das Label M. ab Juli seine Räume beziehen wird, entsteht nämlich gerade das Haus der Kultur, von dem Saarbrücker Kulturmenschen seit Jahrzehnten träumen. Verschiedene Künstler haben bereits Ateliers bezogen. Die neue Theatergruppe „Korso-op. Kollektiv“, mit der sich Staatstheater-Schauspielerin Nina Schopka selbstständig macht, hat hier Räume gefunden. Der Kulturverein Usus, der sich für Quartiersentwicklung einsetzt, ist hier als Dachverein aktiv. Und jetzt kommt Label M. mit seinen jungen Leuten dazu.

Eine echter Impuls für Alt-Saarbrücken. Und für Label M. dabei nicht mal die einzige freudige Botschaft in diesem noch jungen Jahr. Es kommt sogar fast noch besser: Eine Arbeit von Label M., der Film „Crossover Saarbrücken“, ist nominiert für einen wichtigen Bundespreis: Den Sonderpreis „Kultur stiftet Welten“ hat die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, ausgelobt. Und von 50 vorgeschlagenen Projekten aus ganz Deutschland ist das Filmprojekt „Crossover“ als eines von zehn nominiert worden.

„Die Nominierung allein ist eigentlich schon ein erster Preis“, sagt Thomas Langhammer. Mit im Rennen um einen von drei Preisen ist zum Beispiel die Tufa in Trier. „Wir sind im Vergleich ein Winz-Verein“, meint Langhammer.

Aber die Arbeit von Label M. ist eben nicht winzig. Seit 2009 gibt es das Projekt, das ursprünglich in Malstatt verwurzelt war. Es ist eine Art offenes Kulturangebot für Jugendliche. „Wir machen Jugendkulturarbeit, also Sozialarbeit und Kunst“, sagt der Künstler Langhammer, „und es gibt Ergebnisse.“

Und was für welche! In den wenigen Jahren, die Label M. – das M kann man für Malstatt aber auch für Möglichkeiten einsetzen – existiert, sind zum Beispiel die Filme „Crossover Malstatt“ und „Crossover Saarbrücken“ entstanden. Filme, die -–auf Youtube frei zugänglich – tolle Bilder bieten und einen Einblick in die Lebens- und Denkweise junger Saarbrücker unterschiedlichster Herkunft.

Ein fast noch interessanteres Projekt haben die Jugendlichen von Label M. – deren Zusammensetzung sich naturgemäß von Projekt zu Projekt ändert – gerade abgeschlossen: „Heimaten – eine aktionistische Recherche“. Bei diesem 60-minütigen Dokumentarfilm haben Jugendliche den unterschiedlichsten Menschen „die Fangfrage nach dem Heimatbegriff gestellt“, wie Thomas Langhammer das formuliert. „Wir suchen keine Antworten, wir versuchen die Vielfalt darzustellen.“ Gefilmt wurde entsprechend an ganz unterschiedlichen Orten, dem Szene-Treff am Saarbrücker Silo ebenso wie am Bauernmarkt in Lebach oder beim Christopher Street Day. Vielfalt eben.

Noch ist die Premiere des Films nicht organisiert, da plant Label M. schon das nächste Projekt: Crossover Folsterhöhe. „Wir gehen in die Banlieue“ sagt Thomas Langhammer. Ideen sind da, endlich auch Räume. Nur mit dem Geld dürfte es noch ein bisschen besser laufen. Fördermittel zu besorgen ist ein hartes Geschäft. Da erhofft man sich von der Nominierung für „Kultur öffnet Welten“ einen ordentlichen Schub.

www.labelm.org

www.facebook.com/

CrossoverSaarland/






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