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Rabenkrähen verbreiten sich enorm: Nabu-Experte,Vogelkundler Wolfram Doerr aus Ludweiler erklärt das Phänomen

Ludweiler
Rabenkrähen verbreiten sich enorm
Nabu-Experte,Vogelkundler Wolfram Doerr aus Ludweiler erklärt das Phänomen
Angelika Fertsch
12. Januar 2017

1987 wurden die Rabenvögel einer EG-Richtlinie (heute EU) entsprechend bundesweit unter Schutz gestellt. Seitdem verbreiten sich die intelligenten, schwarzgefiederten Tiere ungehindert. Zum Nachteil anderer Vogelarten.
Selten allein: Eine Krähe im Anflug. Foto: Rehder/dpa
Selten allein: Eine Krähe im Anflug. Foto: Rehder/dpa

„Rabenkrähen haben enorm zugenommen, seit sie unter Schutz stehen“, sagt Nabu-Mitglied Wolfram Doerr (82) aus Ludweiler. Damit bestätigt der Vogelexperte mit langjähriger Erfahrung die Beobachtung, die Seniorensicherheitsberater Karl-Heinz Remark auf dem Heidstock gemacht hatte. Der berichtete unserer Zeitung, dass er zeitweilig mehr als 100 Tiere im Ortsteil zählt. Für Dörr nicht weiter erstaunlich: „Die Vögel sammeln sich jetzt im Winter.“ Eine Stelle, die er gut kennt, sei die Straße Am Haller auf dem Stadtwaldhang: „Die Wärme der Hütte drückt sich gegen den Berg. Dort sitzen die Tiere abends.“ Am Tag suchten sie in kleineren Gruppen Futter. Etwa, wenn der Viehhalter, den er kennt, auf dem Ludweiler Hahnenkopf mit Brot seine Kühe füttere. „Dann kommen Schwärme von Raben.“ Sie suchten auch die Felder ab, sammeln Körner, eben alles Essbare.

So intelligent und possierlich die Rabenvögel auch sind, „wir haben früher öfters Jungvögel groß gezogen, die man uns gebracht hat und hatten viel Spaß mit ihnen“, so kritisch sieht Doerr die Entwicklung. „Es sind Räuber, die andere, kleinere Vogelarten dezimieren und zurück drängen.“ An zwei traurige Beispiele erinnert er sich. „In einem der Nistkästen in unserem Garten brütete eine Blaumeise. Die Jungen waren fast flügge, eines schaute aus dem Nistloch heraus und schon wurde es von einer Rabenkrähe geschnappt.“ Oder das Rotkehlchen, das auf dem Boden hockte und ebenfalls leichte Beute einer Rabenkrähe wurde.

Wobei Doerr darauf hinweist, dass es zwei Sorten von Rabenvögeln gibt, die sich zusehends vergesellschaften: Die Rabenkrähe erkenne man an dem weißen Kranz um den Schnabel herum, sie sei auch wehrhafter. Der Artverwandte sei die Saatkrähe, die etwa in den Pappeln am Globus-Baumarkt in Fürstenhausen mehrere Nester habe.

Wie lange man den Vogel noch unter Schutz stellen solle, ist für Doerr fraglich. Es werde wohl nicht anders möglich sein, als diese Vögel eines Tages wieder zu bejagen, zu dezimieren. So wie es jahrzehntelang geschehen sei. Und er berichtet von den Massenfangfallen, in denen auch hier in der Region zahlreiche Rabenkrähen gefangen und anschließend getötet worden seien. „Bis zu zehn auf einen Schlag konnten es sein“, erinnert er sich. Ein besonderes Augenmerk des NABU habe jedoch den Bussarden gegolten, die hin und wieder unter die gefangenen Vögel geraten seien. „Das wollten wir verhindern.“

Einen natürlichen Feind außer dem Menschen hätten die Rabenvögel kaum. Der Habicht bejagt sie, wo er ihrer habhaft wird.Unsere Meldung über die Rabenplage auf dem Völklinger Heidstock hat eine lebhafte Diskusssion auf der Facebook-Seite unserer Lokalredaktion Völklingen-Warndt ausgelöst. Bis gestern Morgen zählten wir bereits 1770 Aurufe und 21 Kommentare. Nicht jeder pflichtet da Moselstraßen-Anlieger Karl-Heinz Remark und anderen Beschwerdeführern bei, die über eine Invasion von Rabenvögeln und Verschmutzung klagen. „Dito, wohne auch auf dem Heidstock, sieht fast aus wie bei Alfred Hitchcock, wenn die da auf der Stromleitung sitzen; mich stört das nicht“, schreibt eine Bürgerin vom Heidstock. Ähnlich gelassen sieht die Lage eine Leserin aus Wehrden: „Da könnt ihr nach Wehrden kommen. Hier sind auch jede Menge, die auf den Stromleitungen sitzen, ihre Nüsse knacken. Ja, es sind viele, aber die tun uns doch nix.“

facebook.com/saarbruecker

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