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Auftakt im Zeichen der Freundschaft: Philharmonischer Chor an der Saar und russische Musikstudenten gaben Konzert

Saarlouis
Auftakt im Zeichen der Freundschaft
Philharmonischer Chor an der Saar und russische Musikstudenten gaben Konzert
Jutta Stamm
15. November 2016

Unter dem Leitgedanken „Schuld und Sühne – Versöhnung und Freundschaft“ und im Rahmen der Festivitäten zum 200-jährigen Bestehen des Landkreises Saarlouis veranstalteten das Kulturamt und der Landkreis Saarlouis ein Galakonzert im fast ausverkauften Theater am Ring. Zu Gast waren Musikstudierende des Staatlichen Konservatoriums Kazan, die an der Seite des Philharmonischen Chors und PalatinaKlassik Speyer, unterstützt vom russischen Hochschulorchester sowie einem Solistenquartett, auftraten. Professor Leo Kraemer dirigierte 200 Musiker.

Gedämpfte, an- und abschwellende Tonreihen, fließende Übergänge, perfekte Zäsuren, ausgekostete Schlüsse .... Man kann nicht genug schwärmen von diesen hoch begabten Musikstudentinnen und -studenten des Staatlichen Konservatoriums Kazan. Der Chor hatte bereits 2014 im Dillinger Saardom für Begeisterung gesorgt. An diesem Abend singt er unter Leitung von Prof. Wladislav Lukjanov a cappella kleine Werke aus der russischen Musikliteratur, unter anderem ein tatarisches Volkslied, in dem einem erstklassigen Tenor mit leichtem Tremolo in der Stimme die Vorsängerrolle zufällt. Die Freundschaft ist Prof. Leo Kraemer zu verdanken, der seit Jahrzehnten an der drittgrößten Musikhochschule Russlands unterrichtet.

Wagners „Tannhäuser“

Es folgt die Aufstellung seines Philharmonischen Chors an der Saar und Paletina Klassik Speyer hinter dem russischen Hochschulchor. Das Hochschulorchester nimmt Platz. Gut intonierte Bläser, die die Ouvertüre von Wagners „Tannhäuser“ ankündigen, beeindrucken. Nicht weniger virtuos spielen die Streicher.

Kraemer schafft es, ohne Schwelgerei, doch mit dramatischem Impetus den Glanz der Oper herauszuarbeiten. Er unterstützt opulente Kantilenen, setzt auf flüssige Tempi und hält an, um Spannung zu erzeugen. Dabei sind ihm neben Orchestertransparenz vorwärtsgerichtete Zugkraft und die Homogenität der Chöre wichtig. Dank des hervorragend geschulten Stimmpotentials und sensibler Interpretation gelingt das. Aus sachtem Piano steigert sich der Pilgerchor zu mächtiger Inbrunst. Mit durchdachter Dynamik folgt das Finale.

In sich ruhende A-Cappella-Sätze für Chor und Solisten, innige Duette, leidenschaftliche Melodien und eine große vierstimmige Doppelfuge als mitreißender Höhepunkt machen Gioachino Rossinis „Stabat Mater“ aus. Sein Meisterstück in der Auseinandersetzung mit geistlicher Musik verbindet romantischen Ausdrucksreichtum mit theatralischen Effekten. Wagner tut es als „opernhafte Oberflächlichkeit“ ab. „Wahre“ Kirchenmusik, Kontrapunkt und ein spezifisches Wort-Tonverhältnis, waren auch nicht zu erwarten. Beides fehlt über weite Strecken. Der Schönheit dieser Petite Messe Solennelle tut es keinen Abbruch. Kraemer ist der an manchen Stellen tänzerischen „Spielart“ zugeneigt. Er lässt das sehr opernhafte Quartett „Sancta mater“ sowie das berühmteste Stück des Werks, die emphatische Tenorarie, mit melodischem Schwung und virtuosem Glanz interpretieren. Obendrein stimmt das Orchester dazu eine mitreißende Begleitung „alla marcia“ an. Überzeugend ist Kraemer ebenso an Stellen, die vom Wesen her „sakral“ sind, etwa dem ernst gehaltenen A-cappella-Quartett „Quando corpus morietur“. Gewaltig wirkt der Chor im herrlichen Allegro-Chorsatz, der das Werk beschließt.

Rasender Applaus

Das Vokalquartett spiegelt sich vortrefflich in der Homogenität der Klangkörper. Außer Liudmila Slepneva (Sopran) gehörten Susanne Schaeffer (Mezzo), Oscar de la Torre (Tenor) und Vinzenz Haab (Bass) auch vor zwei Jahren schon zur Crew. Mit schönen, beweglichen Stimmen bewältigen sie ihre Partien bravourös. Slepneva beeindruckt mit ihrer Koloratur. Über eine kleine Unsicherheit in der Tenorarie hängt der Mantel des Schweigens. Rasender Applaus dankt alle Mitwirkenden.






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