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Franzose bringt neuen Wind ins Orchester

Saarwellingen
Franzose bringt neuen Wind ins Orchester
Carolin Merkel
4. Februar 2017

Das Große Orchester des Saarwellinger Musikvereins wird künftig von Pierre Petit dirigiert. An diesem Sonntag gibt er eine erste Kostprobe.
Stabwechsel: Helga Brommenschenkel übergibt am Sonntag das Dirigat an Pierre Petit. Foto: Carolin Merkel
Stabwechsel: Helga Brommenschenkel übergibt am Sonntag das Dirigat an Pierre Petit. Foto: Carolin Merkel

Paris gilt als die Stadt der Liebe schlechthin. Doch der 38 Jahre alte Pierre Petit, der in der französischen Hauptstadt unter anderem als Lehrer für Trompete an Konservatorien in Paris arbeitet, hat sein Herz in Saarwellingen verloren. Seit Jahren schon pendelt der in Nordfrankreich aufgewachsene Berufsmusiker zwischen Paris und Saarwellingen. Am diesem Sonntag wird er offiziell eine neue Aufgabe in seiner Wahlheimat übernehmen.

Beim Probenbesuch am Donnerstagabend steht er bereits vor dem Großen Orchester des Musikvereins Harmonie 1891 Saarwellingen am Dirigentenpult. Genau vor ihm sitzt Helga Brommenschenkel, die am Sonntag noch einmal ihren Dirigentenstab auspacken wird. Sie zieht es nach elf Jahren zurück ins Orchester, dem Verein, betont sie, bleibt sie erhalten, will sich mehr auf ihr Instrument, die Oboe, konzentrieren. Bereits im Jahr 1997 stand Brommenschenkel vorm Jugendorchester, hat in der Zeit der Vakanz gleich beide Orchester geleitet, seit 2007 ist sie Dirigentin des Großen Orchesters.

„Ich durfte zehn Jahre vor dem Orchester stehen, habe das 125-jährige Jubiläum des Vereins im vergangenen Jahr miterlebt, hatte die Ehre, den Großen Zapfenstreich zu dirigieren. Ich denke, jetzt braucht das Orchester frischen, neuen Wind“, sagt sie. Ein Leben ohne die Musik, betont die Bankkaufrau, kann sie sich nicht vorstellen. „Ich komme aus einer Musikerfamilie, mein Vater war mein Vorvorgänger, spielt auch heute noch im Orchester“, erzählt sie. Auch ihre Schwestern mit Ehepartnern und Kindern verstärken die Harmonie.

Am Gymnasium, erzählt sie, hatte sie kurz mit dem Gedanken gespielt, die Musik zum Beruf zu machen. „Doch in dem Jahr gab es in Saarlouis keinen Musik-Leistungskurs, und so habe ich den Wirtschaftszweig eingeschlagen“, erzählt sie. Für sie ist das Musizieren ein perfekter Ausgleich zum Berufsalltag. „Ich weiß nicht, ob mir die Musik so viel Freude machen würde, wenn das berufliche Muss dahinter stünde“, sagt sie.

Das ist bei Pierre Petit anders. Bereits als Sechsjähriger spielte er in seiner Heimat Revin in Nordfrankreich Klavier, entschied sich mit zehn Jahren für die Trompete. Nach dem Abitur ging Petit zum Trompetenstudium an das Nationale Conservatoire in Paris. Er absolvierte mehrere Master-Class-Kurse und errang erste Preise im Fach Trompete und Kornett. Petit legte sein Staatsdiplom in Musikpädagogik ab, arbeitete mit namhaften französischen Musikern zusammen und spielte in verschiedenen Orchestern. Heute arbeitet er unter anderem in der Philharmonie de Paris als Pädagogik-Trompeter, gibt Konzerte in der neuen Pariser Philharmonie.

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte der Nachkriegszeit, erzählt Vorsitzender Wilhelm Kessler, übernimmt „jemand von außen“ den Taktstock. „Doch er ist absolut kein Unbekannter für uns“, sagt er. Pierre Petit übernahm im Jahr 2005 den Musikverein von Bourbon-Lancy, Partnerstadt von Saarwellingen. Bei den Treffen beider Vereine wurde immer wieder miteinander musiziert. Als schließlich Helga Brommenschenkel am Ende des Jubiläumsjahres ihren Rücktritt erklärt hatte, bewarb sich Petit und wurde nach einer gemeinsamen Probe zum neuen Dirigenten erklärt. „Das Orchester hat großes Potenzial, Helga hat sehr gute Arbeit geleistet. Ich freue mich darauf, viel gute Musik mit den Musikern zu machen“, sagt Petit. Eine erste Kostprobe wird er an diesem Sonntag, 5. Februar, um 11 Uhr im Rahmen einer Matinee in der Saarwellinger Festhalle bei freiem Eintritt geben. Dann wird Helga Brommenschenkel noch einmal das Jugendorchester – „dort, wo alles begann“ – und das Große Orchester dirigieren. „Ja, ich bin emotional, und ich denke schon, dass auch ein paar Tränchen fließen werde“, sagt sie abschießend.






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